OPER - SCHAUSPIEL - TANZ


Lettisches Nationalballett zu Gast in der Staatsoper Hannover

Feinster Spitzentanz und klassische Ballettkunst

Das Lettische Nationalballett arbeitet ganz im Zeichen der Traditionen der russischen Schule. Seit seiner Gründung vor 90 Jahren verzaubern die Stars der lettischen Ballettszene Generationen übergreifend und weltweit ihr Publikum. Ihre Anmut, Leidenschaft und höchste Perfektion bringen die Tänzer*innen der Compagnie aus Riga am 26., 27. und 28. Februar 2020 ins hannoversche Opernhaus.

In den Choreografien von Aivars Leimanis treffen Grazie und technische Perfektion auf Fantasie und einzigartige, getanzte Traum- und Märchenwelten.

Mit „Le Corsaire“  entfaltet sich eine farbenreiche und emotionalen Mischung aus Fluch der Karibik, Seeräubergeschichte, einer großen Tänzer*innen-Besetzung und dem Niedersächsischen Staatsorchester exotisch-orientalisches Piratenflair im Opernhaus.

„Der Korsar“ nach dem spätromantischen Bestseller von Lord Byron und der Musik des französischen Komponisten Adolphe Adam, ist eines der bekanntesten und leidenschaftlichsten klassischen Ballette.

Ute Micha, Presse Dienst Nord/Sigrid Lappe, Hannover Woche

12.02.2020

 


Händels "Alcina" ist Verführung pur!

Ein Spektakel für die Sinne

Kein Zeitalter hat sich mit dem Theater tiefer eingelassen als das Barock, keines hat es tiefer verstanden. Das Barock hat das Theater zum vollständigen Abbild und zum vollkommenen Sinnbild der Welt gemacht (Richard Alewyn, das große Welttheater 1959).

Es knistert nur so vor Spannung: Endlich wird "Alcina" wieder in der Staatsoper Hannover gespielt. Spannend, ideenreich und mit viel Esprit hat Regisseurin Lydia Steier die Zauberoper auf die Opernbühne in Hannover gebracht, und - was für eine Diva steht auf dort auf der Bühne! - die hier in Hannover schon lange nicht mehr gesehen und gehört wurde. Einfach fantastisch!
Es ist nicht nur ein Seh- sondern auch ein musikalisches Ereignis: Mit Rubén Dubrovsky steht ein ausgewiesener Experte für Barockmusik am Pult der
Staasoper Hannover. Die Zauberin wird von der Sopranistin Hailey Clark verkörpert, die auch in "La Juive" die Titelpartie und zuletzt die Musetta in "La Boheme" sang.

Was das Wechselbad der Gefühle angeht, steht "Alcina" ganz im Geiste der barocken Komödie, wo zwischen Lachen und Weinen, Glück und Verzweiflung oftmals nur ein winziger Augenblick liegt und ein einziges Stichwort sofort die ganz großen Affekte raus lässt. Doch gleichzeitig ist die Oper aber auch ein "dramma per musica": So schnell sich die Figuren ver- und entlieben mögen, so tragisch ernst ist jeder Schmerz, jeder Verlust und jede Angst - und so tief empfunden Händels Musik. Zu sehen ist aber auch ein guter Schuss Broadway, der durch Haily Clark fantastisch verkörpert wird. Und das Publikum dankt es mit minutenlangem Applaus für Sänger und Musiker.

Regisseurin Steier ist es gelungen, ein knallbuntes Werk auf die Bühne zu bringen, das ist ein Hybrid aus der großen Zeit des Barock und gleichzeitig großer Oper – was Haily Clark ohne wenn und aber rüberbringt. Gänsehaut pur! Denn sie, die die "Alcina" verkörpert, hat das gewisse "Etwas" das "Magische" eine Bühnenpräsenz, die unglaublich ist, das kennt man nur von großen Diven!

Und die Auftritte sind ein Augenschmaus - einmal in weißem Pelz vor sternenglitzerndem, unheimlichem und dunklem Nachthimmel - toll zu erleben. Und die Showtreppe - wie für sie gemacht - mit leuchtenden Bananen, ja und wenn sie das "Ombre Pallide" singt,  da spielt sie ihre prachtvolle Stimme voll aus.

Das Gegengewicht zu Haily Clark ist Vince Yi, der perfekte Countertenor mit seiner samtig-weichen Stimme, das geht durch und durch wenn er "Verdi prati" schmachtend dem Publikum entgegen singt. Das reißt das Publikum schon aus den Opernstühlen.

Es ist eine wundervolle und eingängige Inszenierung mit ausgesprochen vielen und wunderbaren Regieeinfällen von Lydia Steier. Sie führt das Publikum mit leichter Hand  in zwei Welten, einmal in die der "Alcina" - ein Zauberreich mit bunter Mischung, bunt und fantasievoll auch die Kostüme. Die verzauberten Männer zeigen recht viel Haut, die Köpfe aber werden unter Fantasiemasken versteckt.

Grandiosen Beifall gab es dann auch für den steppenden Azteken Orante (Rupert  Charlesworth). Auch wurden von der Regisseurin coole Gags eingearbeitet, wie das heitere Menschenopfer mit herausgenommenen Gummiherzen und meterlangen Gedärmewürsten. Die Drehbühne zeigt ein nie überladenes Bühnenbild, das sich wie alles in der Oper auch, wiederum schnell verändert.

Und die andere Welt: Blitzschnell ist die Gegenwart da, die zum Beispiel die des Ruggiero, in die rückverwandelten Menschen am Ende wieder zurückkehren: Mit grauen Anzügen, grauen Krawatten und Melone, denn auf dieser Seite der Welt geht es förmlich zu. Hier wird in der Welt der Schreibtische gearbeitet und Geld verdient. Und Spaß haben auch die Menschen in Finanzkreisen - die hauen so richtig rein, das zeigt das ausgedehnte Schluss-Tableau mit seiner barocken Betriebsfeier!

Das Orchester (unter anderem auch verstärkt durch herausragende Gäste) war in wunderbarer Hochform, und kam mit den barocken Anforderungen ausnahmslos super klar.

Ruben Dubrovsky macht dann auch Händel so unendlich einfallreich hörbar. Er hält stets den Kontakt zum Bühnengeschehen und lässt den Protagonisten für die großen Auftritte dann auch genügend Raum. Und der wird von den Sänger*innen auch genutzt, wie Veronika Schäfer als frecher Oberto, Mercedes Arcuri als stimmlich verführerische Morgana, Avery Amereau als liebendleidende Bradamante.

Die Produktion der Händel Oper "Alcina" ist eine Übernahme von der Baseler Oper.

Im Opernhaus wurde ein großes Barock-Theater geboten und so macht Händel einfach richtig Spaß!!

Ute Micha, Presse Dienst Nord, Sigrid Lappe, Hannover Woche

10.02.2020


„Das ist eine große Ehre“

Stephan Zilias wird neuer Generalmusikdirektor an der Staatsoper Hannover

Mit einem herzlichen Lachen präsentiert Opern-Intendantin Laura Berman den neuen Genralmusikdirektor Stephan Zilias, der von Berlin nach Hannover wechselt. Was für ein Gewinn! Und der neue Generalmusikdirektor Stephan Zilias freut sich offensichtlich über die Berufung an die Staatsoper Hannover. Er wird ab der Saison 2020/2021 für fünf Jahre das musikalische Geschehen in dem traditionsreichen Opernhaus  mitbestimmen.

Nach dem GMD-freien Jahr sei der Wunsch im Orchester auszumachen, nach einer Person, die die Richtung vorgibt und dem Orchester sagt, wo die Reise hingehen soll. Kooperation sei ganz wichtig. "Man muss als Dirigent schon ins Orchester hineinhören. „So wie es andere Dirigenten machen, die ihr ganz persönliches Ding durchziehen, so funktioniere das heute nicht mehr. Man muss auf Kritik und Anregungen reagieren können." Und durch einen künstlerischen Beirat werde das Orchester in die Programmgestaltung einbezogen.

Stephan Zilias © Simon Pauly

Es ist auf jeden Fall gut angelaufen, eine „entspannte, produktive Atmosphäre" hat er in der Zusammenarbeit mit dem Orchester gespürt. „Das hat ein sehr großes Potential." Und das will Zilias für ein weites Repertoire dann auch nutzen, die Namen Bruckner und Schumann fallen, das französische Repertoire und auch die Moderne kommt nicht zu kurz.

„Als Konzertgänger muss man immer das Gefühl bekommen, es ist richtig, dass dieses Stück jetzt hier gespielt wird."

Und was ist mit Wagner? „Es ist ein großes Glück, jetzt an einem Theater mit Orchester, Chor und Ensemble zu arbeiten, die so etwas auf die Beine stellen könnten."

Eine Lieblingsoper hat Stephan Zilias auch: "Wozzeck" von Alban Berg. "Die habe ich rauf und runter gehört, das lief bei uns zu Hause pausenlos." Und plaudert er noch mehr Geheimnisse aus? Ja, er sagt: "Ein Jahr habe er Ballettunterricht gehabt  - aber tanzen kann ich bis heute nicht“.

Warum wurde Stephan Zilias ausgewählt? "Er hat einfach alle unsere Kriterien erfüllt", sagt dann Laura Berman, wie immer mit einem breiten Lachen. Gelernt hat Zilias bei Dirigentenstar Donald Runnicles, der auch mal Kapellmeister an der hannoverschen Staatsoper war.

Auch hat der neue Generalmusikdirektor die jungen Menschen im Blick: „Wir müssen rausgehen, auch an andere Spielorte in Hannover.“ Und die Schulen müssen verstärkt angesprochen werden. Hannover hätte an Kultur so viel zu bieten. „Wir reden hier von einer Stadt, die in dieser Hinsicht richtig groß aufgestellt ist."

staatstheater-hannover/stephan-zilias.

Ute Micha, Presse Dienst Nord/Sigrid Lappe, Hannover Woche

10.02.2020


Spannende Ostertanztage 2020

Überraschung auf Überraschung für die Zuschauer

Ballettdirektor Marco Goecke und Intendantin Laura Bermann freuen sich auf die 17. Ostertanztage in der Staatsoper Hannover 

Die Ostertanztage werden mit Spannung erwartet. Zum 17. Mal finden sie in der Staatsoper Hannover statt. Doch zum ersten Mal richten Ballettdirektor Marco Goecke, sein Stellvertreter Christian Blossfeld,  Intendantin Laura Bermann und Tanzpädagogin Bettina Stieler ihre ersten Ostertanztage aus.

Sie finden vom 6. bis 13. April statt und zeigen ein weit aufgefächertes Feld an Choreografen. Und auf die "Diversität von Handschriften und Herkunftsländern" habe man geachtet, sagt die Opernintendantin Berman. Neben der Internationalität der Gastspiele könne  man richtig stolz sein, dass vier Choreografinnen auf acht Choreografen kämen. Denn in der männerdominierten Zunft sind eben diese Künstlerinnen rar gesät, die Ungleichheit sei "noch schlimmer als im Theater", sagt Berman.

Auf großartige Companys freut sich Marco Goecke, besonders neugierig sei er auf die Beiträge der Frauen. Da ist etwa das Stück "One, One & One" von Noa  Wertheims Vertigo Dance Company aus Jerusalem. Am 12. April, Ostersonntag, wird es die Gastspielreihe mit einer planetaren Inszenierung beschließen, die sich der Auseinandersetzung von Individuum und Kollektiv widmet.

Vertigo Dance Company © Gadi Dagon

Doch an den drei Abenden zuvor haben jeweils mehrere Choreografen die Bühne für sich: Am 7. April, das Norwegische Nationalballett 2. Die Talentschmiede der Talentschmieden der Osloer Kompanie zeigt modernes Ballett mit Musik untermalt von Mozart, Grieg und Jaques Brel (Foto r.).

Und eines von vielen Themenbrüchen ist: Die Legasthenie - damit beschäftigt sich Starchoreografen Jiri Kyliáns  und Charlotte Edmonds. Die Themenbrüche seien eben essienziell, so Goecke. "Es ist schwierig, einen dreigeteilten Abend dramaturgisch zusammenzuschustern".

Und Blossfeld meint: "Wichtig ist auch, dass für jeden Zuschauer  etwas dabei ist".

Einen traditionellen Ansturm erleben die Mitmach-Workshops unter Bettina Stielers Obhut - die meisten der von ihr geleiteten Tanzkurse sind bereits ausgebucht, im Kleinkind-Workshop "Einmal hin, einmal her" (von drei bis fünf Jahre) sind noch ein paar Plätze frei. Die Ergebnisse der jugendlichen Ostertänzer werden am 11. April um 15 Uhr dann im Opernhaus gezeigt!

Am Gründonnerstag heizt die katalanische TruppeIT Dansa den Besuchern ein, Lorena Nogals "The Prom" tanzt Nostalgie und Unbeschwertheit derJugend und

Alexander Ekmann aus Schweden zeigt das humorige "Whim". Ekmann ist ein preisgekrönter Choreograf und hierzulande bekannt wie ein bunter Hund! Dazu meint Goecke lachend: "Ich habe in Deutschland keinen Blumentopf bekommen". Der Ballettdirektor sollte aber die Hoffnung nicht aufgeben: Vielleicht ändert das sich mit "3 Generationen", einem Ballett-Triptychon der Staatsoper Hannover und das Heimspiel am Karfreitag - wer am Feiertag dasTanzverbot beherzigt, kann bereits am 22. Februar die Premiere besuchen: Mit Musik der späten 70er Jahre geht es  dann so richtig los und zurück in die Kindheit von Marco Goecke, der heimlich die Plattensammlung seiner großen Schwester von vorn bis hinten durchstöberte und sein Lieblingslied, Kate Bushs "Babosshka" hat mit dem Sound und Coverdesign „durch mein Leben gezogen", sagt er lachend und alle schauen erstaunt zu ihm hin!      "Concertante" von Hans van Manen gebe den Besuchern, so Blossfeld, am selben Abend die Gelegenheit, "einen der bedeutendsten Choreografen unserer Zeit" zu sehen. Und das Stück von Emrecan Tanis' "Rise", komplettiert das Stück, fragt, wie Individuen zu Anführern einer Masse werden können - mit dem Choreografen gibt es ein Podcast-Gespräch (auf Türkisch und Englisch). Schon mal auf der Staatsoper-Webseite zu hören. So kann man sich von Marco Goeckes Gefühl, "dass in der Türkei tänzerisch was brodelt", schon im Voraus überzeugen.

Es wird jedenfalls ungemein spannend und interessant.

Ute Micha, Presse Dienst Nord/Sigrid Lappe, Hannover Woche 

26.01.2020


Mit einer Intrige wird der Graf schachmatt gesetzt

Figaros Hochzeit begeistert das Publikum im Ballhof Eins

Am Hofe des Grafen Almaviva nahe Sevilla hätte die Klatschpresse von heute ein gefundenes Fressen: Kammerdiener Figaro und Kammerzofe Susanne wollen sich in wenigen Stunden das Ja-Wort geben. Doch Graf Almaviva pocht auf die Privilegien seines Standes: das „Recht auf die erste Nacht“. Figaro schmiedet eine tollkühne Intrige ...

Der ungarische Regisseur András Dömötör inszeniert „Figaros Hochzeit“ von Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais politisch, turbulent, pfiffig und humorvoll zugleich. Es ist ein wahrer Spaß und das Publikum ausnahmslos begeistert.

Auch die Bühne (Sigi Colpe) trägt dazu bei: Die stilisierte Krone, in deren Klappen die Schauspieler verschwinden oder daraus auftauchen, verlangt von den Schauspielern halsbrecherische Turnübungen – meisterhaft bewältigt von dem hervorragendem Darstellerteam.

Wie immer unsere Empfehlung: Das informative Programmheft kaufen – zum vorher und nachher Lesen!

Auch der erste Teil der Figaro-Trilogie ist aktuell im Programm der Staatstheater zu erleben: Bei Vorlage einer Eintrittskarte für die Oper „Der Barbier von Sevilla“ (Teil 1) oder für das Schauspiel „Figaros Hochzeit“ (Teil 2) erhalten Besucher an den Kassen 25% Ermäßigung beim Kartenkauf für das jeweils andere Stück!


Die 19. Lange Nacht der Theater fällt flach

Aber nächstes Jahr sind wir wieder dabei!

Die Partner*innen der Langen Nacht, die seit 18 Jahren immer im Mai veranstaltet wurde, haben sich dazu entschlossen, das bisherige Format weiterzuentwickeln und für 2021 neu aufzustellen. Die Lange Nacht der Theater Hannover wird daher in 2020 nicht stattfinden.
Der Schritt wurde notwendig, da sich zum einen die Terminkoordination mit den in Hannover ansässigen Bühnen im Zusammenhang mit dem kulturellen Kalender der Stadt Hannover als zunehmend schwierig herausstellt, zum anderen sich die Besucherzahlen in den vergangenen Jahren stark rückläufig entwickelt haben. Wurde die Lange Nacht der Theater in den ersten Jahren von bis zu 6.600 Personen besucht, waren es in den letzten Jahren nur noch durchschnittlich 3.500 Besucher*innen.

Ute Micha, Presse Dienst Nord/Sigrid Lappe, Hannover Woche

04.02.2020


Große griechische Sage im Schauspielhaus Hannover

„Iphigenie“ von Euripides und Goethe - eine gelungene Umsetzung 

Kein Wind, keine Welle, das Meer liegt bewegungslos im Hafen von Aulis und hält die griechische Flotte am Ufer zurück. Diese wünscht sich nichts sehnlicher als endlich gen Troja zu segeln, die Stadt niederzubrennen und die entführte Helena heimzubringen. Doch Göttin Artemis verweigert ihren Segen und will ein Menschenopfer: das Kind des Heerführers Agamemnon, Iphigenie.
Demütigung und Schande wollen die Griechen tilgen durch den Sieg über die Barbaren, doch dieser wird auf dem Tod eines Kindes fußen. Der unbedingte Siegeswille regiert, also soll Iphigenie sterben, denn sie gehört dem Volk.

Iphigenie © Katrin Ribbe

Doch im zweiten Akt wendet sich das Blatt:  Iphigenie wird von der Göttin Artemis vom Opferaltar gerettet und lebt weit entfernt bei den Taurern,  und dort krempelt sie die Gesellschaft um. Wärme, Vernunft, Humanität scheinen möglich, bis es einmal mehr darum geht, wem Iphigenie gehört. Das Spiel beginnt erneut.

Anne Lenk, die auch die Regie führt, hat die Geschichte inszeniert und eine Verbindung von Euripides’ und Goethes Texten in dem zweiteiligen Stück geschaffen. Da fliegen uns die Namen der griechischen Helden und Anti-Helden nur so um die Ohren!

Dramaturgie Nora Khuon, Musik Kostia Rapoport, es spielen Sebastian Jakob Doppelbauer, Philippe Goos, Torben Kessler, Miriam Martens, Sabine Orléans, Seyneb Saleh und die Kinder Antonia Anders/Pippa-Ashton Ribbe, Cleo Fry/Mia Odlozinski, Noah Karaya/Christina Tihomirov. Viel Beifall für Inszenierung, Bühne, Regie und besonders für die Darsteller!

Und ein Kompliment für das unverzichtbare Programmheft. 

Ute Micha, Presse Dienst Nord/Sigrid Lappe, Hannover Woche


Das bringt so richtig Schwung in die Bude: "Märchen im Grand Hotel" im Opernhaus

Gute Beinarbeit, viel Swing und Schwung - da wippten die Beine des Publikums mit

Paul Abrahams Operette "Märchen im Grand Hotel" hatte in der Staatsoper Hannover Premiere - und wenn Märchen und Oper zusammentreffen, wird es einfach nur märchenhaft! Das zeigte sich auch beim minutenlangen Applaus, Getrampel und Gejohle.

Gelungen: mit dem steppenden Zimmerkellner, den wunderbar wirbelnden Zimmermädchen und den ordensgeschmückten Operettenchören wurde ein überaus spielfreudiger Cast sowie Dance-Breaks, die es in sich hatten - ein bisschen gegen die Operetten-Tradition - in die Singstück eingebunden wurden. Alles war fröhlich und bunt (Regie: Stefan Huber) und mit einer mitreißenden Spielfreude auf die Bretter gebracht.

 Obwohl die Geschichte kompliziert ist, stimmt alles. Und das geht so: Kellner, eigentlich Millionär, liebt verarmte Prinzessin. Und was macht der liebende Papa? Er kauft einen Fürstentitel - und wie es kommen muss - Happy End.

Witz und Spielfreude zeigen hier Heiter bis Wolkig und lassen Verwicklungen zu.

Noch-Zimmerkellner Albert schmachtet seine geliebte Prinzessin an.

Da taucht die Tochter  (Valentina Inzko Fink) eines Filmmoguls (Ansgar Schäfer) auf, die Adels-Romanze als Blockbuster verfilmen will, um Daddy zu zeigen, was sie so drauf hat.

Die Technik darf beim Bühnenbild (Timo Dentier, Okarina Peter) so richtig klotzen. Das hat was und übertrifft bei Weitem an Aufwand das Gewohnte. Die dreiteilige Drehbühne mit „Spielfeldern“ dominiert die Szene.

Mal sind wir in der Hotellobby, oder im Badezimmer der Prinzessin, mal im Schlafgemach, mal im Salon oder in der Bar und in Hollywood.  Und jeder Suite hat  dann mittig auch noch eine Drehtür für immer wieder überraschende Auftritte.

Der Schluss der Veranstaltung hat einen leicht melancholischen Twist - auch musikalisch. Sie kommen eigentlich nicht zusammen, weil sie ja adlig ist und er nicht. Und es muss jetzt endlich ein Happy End her. Das wird von Glitzer-Cowboys und Glimmer-Ukulelen dann begleitet.

Und noch ein Happy-End: Der fesche Wiener Großfürst Paul, ein begnadeter Tänzer, bekommt die kesse, energische Produzententochter Marylou.

Den Zimmerkellner Albert, der sich am Ende in den Herzog von Muränien verwandelt und wie im Märchen üblich, doch die Prinzessin heiraten darf,  spielt Alexander von Hugo, der ist musicalerfahren und verfügt über ungemein elastische Beine. Mit seinen Stepp-Einlagen fährt er sich reichlich Szenenapplaus ein. Für die Titelpartie der Infantin braucht man so richtig Opernstimme und die hat Mercedes Arcuri.

Spritzig und gekonnt wieder das Staatsopernorchester, das unter der Leitung von Carlos Vazques kurzum zur Bigband wird und dem samtigen Paul-Abraham-Sound einen kräftigen Schuss Jazz verleiht.

Ein wunderbarer und unterhaltsamer Operettenabend im Opernhaus.

 Ute Micha, Presse Dienst Nord/Sigrid Lappe, Hannover Woche/Fotos Ralf Mohr


Vom Feinsten

Ein fantastischer Auftakt der Ballettsaison im Opernhaus Hannover

Dreiteiliger Ballettabend „Beginning“ reißt die Besucher der Staatsoper aus ihren Sitzen.

Das war schon ein furioser Auftakt des  Ballettabends "Beginning" mit "Prélude", das Phänomene der Zeit erklärt.

Der französische Choreograph Mehdi Walerski präsentiert ein großes Ensemble auf seiner subtilen Reise durch verschiedene Aggregatzustände. Zur leichten und auch fulminanten Interpretation der Musik von Lera Auerbach bestachen die Wechselbeziehungen zwischen Individuum und Gruppe. Die wechselnden raffinierten Lichtstimmungen definierten die gesamte Bühnensituation immer wieder neu. Der Tanz blieb im Rahmen dessen, was als ästhetisch empfunden wird. Und das facettenreiche Pas de deux von Verónica Segovia Torres und Adam Russel-Jones bildete den Höhepunkt.

Ein Element des dreiteiligen Ballettabends ist die Choreographie "Prélude" des Franzosen Medhi Walerski. © Andreas J. Etter

Dann ging es so richtig zur Sache: Die Power-Fraktion war jetzt am Zug. Der Grieche Andonis Foniadakis hat sich in seinem Stück „Kosmos“ Gedanken zu Forderungen im modernen Leben gemacht. Die hier mittanzen, dürfen nicht zart besaitet sein. So schnell konnte man gar nicht folgen, wie die Gliedmaßen, die Haare, flogen und die Mittänzer wurden schon mal über die wunderbar ausgeleuchtete Bühne geschleift.

Bestechend war die Präzision in den Gruppenszenen. Wunderschön auch der poetische Schluss, der dann auch einen dringend benötigten Bruch in das Geschehen brachte. Das Ensemble entrückte zu einem Glitzerwesen.

Natürlich durfte eine Choreografie des neuen Ballett-Chefs nicht fehlen. Marco Goeckes „Thin Skin“ wurde mit all diesen merkwürdigen Eigenarten beendet. Die Figuren bei Goecke wirken wie getrieben, als würden sie getanzt. „Thin Skin“  war sehr solistisch betont. Es gab wenig Berührungen. Goecke setzte elegante und verspielte Momente  und auf interessante Kontraste.

Das Publikum war von dem Dreiteiligen-Ballettabend begeistert. Zehnminütige Ovationen waren der Lohn. Und die Erwartung und Vorfreude auf den nächsten Goecke-Ballettabend „Nijinski“ mit der Musik u.a. von Frédéric Chopin, Claude Debussy. Mit diesem abendfüllenden Ballett fand Goecke national und international viel Beachtung (Premiere 13.12.2019).

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Ute Micha, Presse Dienst Nord/Sigrid Lappe, Hannover Woche


Karten für das zusätzliche 7. NDR Klassik Open Air

Vorverkauf für zweite Aufführung läuft

Es gibt wieder Karten für das 7. NDR Klassik Open Air im Maschpark hinter dem Neuen Rathaus. Karten für die zweite Aufführung von „Carmen“, die am Donnerstag, 16. Juli 2020 stattfindet, sind jetzt im Vorverkauf erhältlich.
Im Juli waren die Tickets für die Aufführung am 18. Juli 2020 bereits in kürzester Zeit vergriffen, die Vorverkaufsstellen wurden von einer riesigen Nachfrage nach Karten für das NDR Klassik Open Air „Carmen“ überrannt. Aufgrund dieser enormen Nachfrage haben sich NDR und Hannover Concerts zu einer weiteren Aufführung entschlossen.

Zum 7. NDR Klassik Open Air kommt mit „Carmen“ die beliebteste Oper der Welt nach Hannover - aufgeführt von der NDR Radiophilharmonie unter der Leitung von Dirigent Eivind Gulberg Jensen, der 2014 mit Tosca die „Oper für alle“ mit aus der Taufe hob.

NDR Klassik Open Air am Neuen Rathaus in Hannover (c) NDR, Michael Uphoff 

Und mit international gefeierten Solisten: Bryan Hymel in der Rolle des Don José, Gaëlle Arquez als Carmen, Guanqun Yu als Micaëla und Luca Pisaroni als Escamillo. Ania Vegry (Fraquita), Oleg Tsibulko (Zuniga) und Astrid Nordstad (Mercédès) komplettieren die hochkarätige Besetzung.

Wie auch in den vergangenen Jahren werden die Aufführungen am 16. und 18. Juli 2020 ab 20.30 Uhr live in den Maschpark übertragen.
Tickets sind an allen bekannten Vorverkaufsstellen und im NDR Ticketshop erhältlich. Veranstalter ist Hannover Concerts.

Eivind Gullberg Jensen (c) Mat Hennek, Bryan Hymel (c) Dario Acosta, Guanqun Yu (c) Jiyang Chen, Luca Pisaroni (c) Jiyang Chen, Gaelle Arquez (c) Julien Benhamou.

NDR/Ute Micha, Presse Dienst Nord/Sigrid Lappe, Hannover Woche


Dauerbrenner "Tosca" in Hannovers Oper findet Zustimmung und Ablehnung

Russischer Regisseur Vasily Barkhatov sorgt für einen umstrittenen Premieren-Abend.

Bravo-Rufe überwiegen - Buhs waren nicht zu überhören.

Endlich ist der Bösewicht Scarpia mal Hauptperson in das entsprechende Licht wurde seine Rolle gerückt. Seth Carico singt und spielt den geilen und zügellosen Kirchenmann mit einer ausdrucksstarken Bühnenpräsenz.

Die Oper "Tosca" kassierte in der Staatsoper Hannover teils heftige Buhs - für eine Puccini Oper absolut ungewöhnlich. Denn dieser Abend sollte etwas anders verlaufen, als erwartet: Es gab so richtig grelle Chorszenen, eine super tolle Musik und fantastische Partien für die Sänger.

Eine große, niemals erfüllbare Sehnsucht nach der vollkommenen Liebe: Szene aus der neuen „Tosca“ an der Staatsoper Hannover. Quelle: Monika Forster

Das liegt an der Inszenierung – der junge russische Regisseur Vasily Barkhatov stellt ungewöhnlich grell den Schurken Scarpia knallhart in den Mittelpunkt des Geschehens. Das ist eine interessante Interpretation!                                                                             

Hier wird die Geschichte eines Kindes (Scarpia) erzählt, dass über Jahre von einem Priester missbraucht wurde. Die erfahrene frühkindliche Gewalt macht aus einem Kind hier letztendlich einen sexbessenen und bösen Menschen. Bei Scarpia zählt nicht der Mensch, hier zählt nur der Trieb - er vergewaltigt und erniedrigt.

Und er will aus dem Leben scheiden, mit einem für ihn typischen bösartigen Suizid. Er bringt Tosca durch eine raffinierte Intrige dazu, ihn zu erdolchen. Das erzählt er ihr später über eine DVD.  Passt gut: Missbrauch in der Kirche, #Me Too und ganz viel Psychokram.

Das alles zu erklären, geht nur mit einigen ungewöhnlichen Wegen. Es werden vom Regisseur stumme Texte neben die Musik projiziert, in denen Scarpia dann auch seine Untaten erklärt.

Vasily Barkhatov ist auch einiges gelungen - im ersten Akt zum Beispiel – in dem Cavaradossi kein Maler sondern ein Herrgottsschnitzer darstellt. In keiner Inszenierung hat man die Rolle des Cacaradossi  so gesehen.

Leider dreht es dann einfach ab, weil die Schere zwischen  der Erzählung des Regisseurs und der eigentlichen  Opernhandlung weit auseinander klaffen. Und wenn statt des eigentlich erschossenen  Cavaradossi Scarpia auf dem Opernboden liegt, Tosca ihn aber als Mario Caravadossi ansingt - und einfach nicht stirbt, und wie Caravadossi auch nicht stirbt, denn der sitzt im letzten Bild traurig auf der Bühne und betrachtet seine Gottesschnitzereien.

Der Opernabend lohnt, und das ist genau das, was ihn letztendlich auch so fragwürdig macht.

Scarpia steht im Zentrum - den der Bariton Seth Carico mit einer wunderbaren und wilden Hingebung singt. Das ist Verführung pur! Hier und da kann der Betrachter nachvollziehen, warum das weibliche Geschlecht Scarpia verfallen, vielleicht sogar auch ohne Gewaltanwendung.

Die Stimmen sind in der Oper Tosca richtig große Klasse und stammen aus dem Geist der Musik. Caravadossi (gesungen von Rodrigo Porras Garulo) hat es von der Anlage seiner Rolle schon schwerer. Es ist kaum vorstellbar, (auch stimmlich), warum Tosca ausgerechnet ihn liebt. Und die "Vittoria"-Rufe sowie die "glitzernden Sterne" erscheinen eher zuverlässig.

Liene Kinca als Tosca spielt ihre Rolle leicht überschritten. Unangestrengt,  berührend aber nicht so wirklich und das soll es auch nicht, das passt einfach in die Inszenierung. An diesem Abend hat sich das Opern-Orchester unter der Leitung von Kevin John Edusei richtig übertroffen und war ein großer Aktivposten an diesem wundervollen Opernabend. Und die Begleitung der Sänger ist durchweg positiv überlegen.

Wenn man sich dennoch gut auf den Abend vorbereitet hat, kann dieser äußerst spannend sein. Das war einfach Puccini-Power: Musikalisch einfach toll. Der Opernabend lohnt sich.

Weitere Aufführungen am 27. März und 10. Mai 2020.

Ute Micha, Presse Dienst Nord/Sigrid Lappe, Hannover Woche

Veröffentlicht 21.10.2019


La Traviata zum mit nach Hause nehmen

Die gefeierte Opernaufführung jetzt auf DVD

Nach sieben Jahren mit 50 ausverkauften Vorstellungen an der hannoverschen Staatsoper musste das Publikum im Januar 2019 Abschied von Benedikt von Peters „La Traviata“-Inszenierung nehmen.

Doch jetzt gibt es die beliebte und gefeierte Inszenierung mit Nicole Chevalier als Violetta Valerie auf DVD für zu Hause. Ab sofort können Zuschauer*innen und die herzzerreißende Soloshow hautnah und so oft wie sie wollen miterleben. Der Mitschnitt mit fünf Kameras entstand anlässlich der Generalprobe der Wiederaufnahme im Dezember 2018.
 
Die DVD ist für 19,90 Euro an der Kasse im Opernhaus und im Opernshop erhältlich.

Staatsoper/Ute Micha/Sigrid Lappe

Nicole Chevalier als begeisternde Violetta. Foto Thomas Jauck