Landesmuseum: Das Forum für das was uns umtreibt


Silberglanz - von der Kunst des Alters

Mit der Ausstellung “Silberglanz - von der Kunst des Alters” greift das Museum aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen auf - wie etwa die aktive Generation 60+, aber auch die Auseinandersetzung mit Krankheit, Altersarmut und Ausgrenzung im Alter und setzt sie in Beziehung zur Kulturgeschichte.

Gemälde, Skulpturen über alle Kunstepochen zeigen unterschiedliche Blickwinkel und verdeutlichen den Wandel, den Altersbildnisse im Laufe der Zeit und in unterschiedlichen Kulturen vollzogen haben.

Über 120 Exponate, darunter hochkarätige Leihgaben aus Rom, Chicago, Basel und Berlin, zeichnen ein vielschichtiges Bild des Alters - von Altersdarstellungen als Inbegriff von Wissen und Macht über die nachdenkliche Innenschau in Selbstbildnissen alternder Künstler bis hin zu aktuellen Werbekampagnen, die die Generation 60+ als neues Motiv wie auch als potentielle Käuferschicht entdecken.

(Bis 18. Februar 2018)


Licht an - Tiefseelebewesen raus - 2018 startet mit starkem Programm

Von Tiefsee, Hochkultur und nationaler Anspruch sowie internationale Vernetzung: Für 2018 hält das Landesmuseum die Pläne in der Hand

Als erste neue Ausstellung wird in diesem Jahr am 2. März in den Naturwelten die Präsentation von „Tiefsee - Leben im Dunkeln“ eröffnet .

Einer der geheimnisvollsten Orte der Erde ist die Tiefsee – weitgehend unerforscht und damit der letzte große Fleck auf unserem Planeten. Dies mag einer der Gründe für die endlose Faszination sein, die die Tiefsee auf die Menschheit ausübt. Sie zieht uns an mit Etwas, das Worte nicht fassen können – eine ferne Welt, in ewiger Dunkelheit, unwirtlich, faszinierend und doch voller Leben.

„Nur etwa 5 Prozent der Meereswelten, die 60 Prozent der Erdoberfläche ausmachen, sind erforscht“, sagt Kuratorin Andrea Spautz. „Da sind also noch echte Entdeckungen zu machen.“ In der Ausstellung werden auch Exponate gezeigt, die das Geomar-Helmholtz-Zentrum in Kiel dem Landesmuseum als Schenkungen hat zukommen lassen – Gläser mit Präparaten von rund 20 Tiefseefischen, darunter bizarre Wesen wie den Viperfisch, den großmäuligen Pelikanaal oder Laternenfisch, der seine Beute mit Licht anlockt. Und wie erhellt man Phänomene, die sich in der dunklen Tiefe ereignen?

pelagic octopod (Vitreledonella richardi) Deep Sea plankton Tiefsee Plankton Glaskrake

Neben dem Geomar hat das Landesmuseum als Partner die Fachhochschule Hannover gewonnen, die 3-D-Animationen des Tiefseelebens erarbeiten und per 3-D-Drucker werden dann überlebensgroße Fischmodelle für die „Tiefsee“-Ausstellung erarbeitet, die als Teil der Naturwelten dauerhaft im Haus verbleiben.

Das weitere Ausstellungsprogramm für 2018 im Landesmuseum wartet mit Highlights auf:

„Romantische Blicke“

Studierende und Lehrende des kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Göttingen haben aus dem mehr als 20 000 Blätter umfassenden Kupferstichkabinett diese Ausstellung von 50 Zeichnungen des 19. Jahrhunderts zusammengestellt. Die Zusammenarbeit mit den Göttinger Nachwuchshistorikern soll nach den Worten von Museums Direktorin Katja Lembke „frischen Wind in die Landesgalerie“ bringen (25. März bis 24. Juni).

„Schatzhüterin. 200 Jahre Klosterkammer“

Dem Jubiläum der 1818 von König Georg IV. gegründeten Klosterkammer, die ehemals kirchlichen Besitz verwaltet und Kirchen und Klöster unterhält, ist diese Ausstellung gewidmet, die mit ihren Exponaten bis ins Mittelalter zurückführt. „Wir haben dafür mehr als 200 Exponate gewinnen können“, sagte Katja Lembke. „Darunter sind Leihgaben aus Frankreich und Großbritannien- und ein Porträt von Georg IV. hat uns der Vatikan ausgeliehen.“ (20. April bis 12. August).

Und wie jedes Jahr setzt das Landesmuseum seine Reihe „Glanzlichter“, der Ausstellung spektakulärer preisgekrönter Naturfotografien fort, in der die Bilder des Fotowettbewerbs unter diesem Titel zu sehen sind (3. Juni bis 12. August).

Und zu guter Letzt:

„Max Slevogt. Eine Retrospektive zum 150.Geburtstag des Künstlers“.  Slevogt ist zusammen mit Max Liebermann und Lovis Corinth als das „Dreigestirn des deutschen Impressionismus“ in die Kunstgeschichte eingegangen. Den dreien hatte das Landesmuseum schon 2014 eine große Ausstellung gewidmet.

Doch Max Slevogt allein ist dort, nach den Worten des Leiters der Landesgalerie, Thomas Andratschke, zuletzt 1952 ausführlich gewürdigt worden. Gründlicher denn je dürfte diese Würdigung 2018 ausfallen, denn im Jahr seines 150. Geburtstags will das Museum von diesem außergewöhnlichen Künstler gleich 150 Werke zeigen. Und die Ausstellung ist eine von drei Slevogt-Schauen, die - außer in Hannover - auch in Saarbrücken und Mainz geplant sind. „Wir machen uns da keine Konkurrenz“, versichert Andratschke, „wir ergänzen uns.“


Neben nationalen Abstimmung greift das Landesmuseum aber auch international aus

Am 9. März startet in der Villa Bourbon in Luxemburg eine Paula-Modersohn-Becker-Schau – eine Ausstellung, die nach den Worten von Landesmuseumschefin Katja Lembke komplett von Hannover bestückt und kuratiert wird.

Kooperationen gibt es außerdem mit Institutionen in Ägypten und Tansania. Mit dem dortigen National Museum von Tansania in Daressalam ist eine Kolonialgeschichtsfotoschau zur ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika geplant. Und im Ägyptischen Museum in Kairo soll es eine Ausstellung geben, in der etwa Resultate von Forschungen in der mittelägyptischen Grabungsstätte Tuna el-Gebel präsentiert werden. Dazu wird es nach den Worten von Katja Lembke wohl erst in 2019 kommen.

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe


Pralles Szeneleben und eine dunkle Vergangenheit

Hannovers „teuerste Neuerwerbung“

Landesmuseum kauft Corinth-Gemälde für 650 000 Euro

Es ist ein pralles, heiteres Gemälde von Lovis Corinth, das vom Landesmuseum für 650 000 Euro angekauft wurde, es zeigt nackte Menschen, die ein rauschendes Fest feiern. Sie trinken und tanzen ausgelassen auf einer wunderschönen Wiese. Bacchus lässt grüssen! 

Stolz und glücklich: Museumsdirektorin Dr. Katja Lembke und Dr. Anette Schwandtner vom Kulturministerium.                Foto W. Feege

Die „Bacchanale“ von Lovis Corinth (1858-1925) gehört seit dem 23. Januar dem Landesmuseum. Ermöglicht wurde der Erwerb des großformatigen Gemäldes durch viele Stiftungen.

Das Werk vervollständigt nun die weltgrößte Corinth-Sammlung (119 Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken) des Museums und ist der teuerste Ankauf der Nachkriegszeit.  Es ist ein Bild voller kraftvoller Lebensfreude – mit einer schrecklichen Vergangenheit.

Prof. Katja Lembke, Direktorin des Landesmuseums: „Es vereint eine helle und eine dunkle Seite, ist auch Mahnmal.“ Denn das Gemälde ist Teil der dunkelsten Geschichte Deutschlands.

Einst gehörte das Werk einer jüdischen Familie, die es während der Nazi-Zeit unter Wert verkaufen musste, um der Verfolgung zu entkommen. Alfred Michaelis Salomon ein Berliner Kaufmann machte 1936 sein gesamtes Hab und Gut zu Geld, um mit seiner Ehefrau Martha und den beiden Kindern Irmgard (27) und Horst (22) in die Niederlande zu fliehen.

Als die Deutschen dann aber in die Niederlande einmarschierten, wurden die Kinder nach Auschwitz verbracht und sofort nach ihrer Ankunft in Auschwitz ermordet. Die Eltern wurden nach Bergen-Belsen deportiert. Alfred Michaelis Salomon stirbt zwei Monate vor der Befreiung des Lagers. Nur seine Ehefrau Martha überlebt Bergen-Belsen.

Das Gemälde war 1957 von der Stadt Gelsenkirchen für das Kunstmuseum von einem Galeristen gekauft worden und 2016 dann an die rechtmäßigen Erben zurückgegeben worden. Da es mehrere Erben gab, entschloss man sich, das Gemälde zu verkaufen. Über die britische Galerie Dickinson kam das vergleichsweise moderate Angebot  an das Landesmuseum Hannover.

Museums-Direktorin Prof. Katja Lembke: „Ein überaus wichtiges Bild für unsere Sammlung“, die dann verschiedene Förderer und Stifter ins Boot holte, wie die Kulturstiftung der Länder, die Ernst-von-Siemens-Stiftung, den Förderkreis der Landesgalerie, die Kunstfreunde Hannover – und auch das Kulturministerium begeisterte.

Prinz Heinrich zu Hohenlohe, Repräsentant der Londoner Galerie sagte: „Ich denke, das hier ist ganz im Sinne der Erben“. Und die Erben seien überrascht gewesen, als man von deutscher Seite an sie herangetreten war – und das nach zwei Jahren Provenienzforschung. Die öffentliche Präsentation im Museum sei die erste Wahl gewesen. „Es geht hier auch darum, Geschichte erfahrbar zu machen.“

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe


Glanzlichter mit nach Hause nehmen

Wer noch Glanzlichter des Landesmuseums in Buchform für sich haben möchte, kann auf eine Publikation zurückgreifen: „Best of - 111 Geschichten aus dem Weltenmuseum“

Mit dieser Publikation wird erstmals wieder seit 17 Jahren ein Überblick über die Bestände gewährt.

(Sandstein-Verlag, 260 Seiten, 24 Euro) schildert die spektakulärsten Objekte aus der Sammlung des Hauses.

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe