KESTNER GESELLSCHAFT


Und jetzt sollen die Frauen ran - natürlich an die Kunst!

Die Kestner Gesellschaft zeigt Guerrilla Girls mit "The Art of Behaving Badly"

und

die Grand-Dame der Pop-Art Christa Dichgans mit "Kein Stilleben"

Die Frage tut sich auf: Kunst als Männersache?  Denn in den ersten 96 Jahren ihrer Existenz waren noch nicht einmal 10 Prozent der Einzelausstellungen Künstlerinnen vorbehalten. Na ja, könnte man sagen – immerhin! In den letzten vier Jahren von 2013 bis 2017 waren es 68 Prozent. Das ist eine Zahl, die sich schon sehen lassen kann.

Aber: In den letzten zehn Jahren hat man hier keinen farbigen Künstler mehr gesehen. Warum eigentlich?... Die Guerrilla Girls haben es herausgefunden, und postwendend ins Foyer plakatiert. Das machen die Mitstreiterinnen des Künstlerkollektivs nun einmal, deren Ausstellung „The Art of Behaving Badly“ in der Kestner Gesellschaft gezeigt wird.

Die Guerrilla Girls gründeten sich 1985 als Reaktion auf eine Ausstellung, die einen umfassenden Überblick über zeitgenössische Kunst versprach – und davon waren gerade mal 13 Künstler weiblich.  Seither plakatieren sie und kämpfen für Gleichberechtigung und gegen Bigotterie mit Gorilla-Maske und Namen von Kolleginnen aus der Kunstgeschichte.

Weltweit unterwegs in Sachen Aufklärung und Kampf für Frauen und Minderheiten: Gurrrilla Girls, New York 2015, Foto Andrew Hinderaker

Hier geht es um Sensibilisierung – denn der Kampf ist mühselig und heute wichtiger denn je, sagen die Guerrilla-Girls im Namen bereits verstorbener Kämpferinnen Frida Kahlo und Käthe Kollwitz und anderen.

Der Präsident der USA, Donald Trump, habe sich eben nicht als Frauenrechtler verdächtig gemacht, er habe viele Amerikaner „unabsichtlich“ politisiert, seine Politik sei schlecht für Amerika und für das Ansinnen der Guerrilla-Girls sowieso: „Und es ist peinlich.“

Eigens für die Ausstellung ist auch eine Arbeit entstanden, die sich mit der Ausstellungsgeschichte der Kestner Gesellschaft beschäftigt.

 

Die Grand-Dame der Pop-Art Christa Dichgans mit "Kein Stilleben"  

Museum1989,Courtesy Christa Dichigans.com

Die Grand-Dame der Pop-Art Christa Dichgans

Es sieht aus wie achtlos hingeworfen: die Teddybären, wie ein Friedhof der Kuscheltiere. „Schicksalsgemeinschaft“ nennt Christa Dichgans dieses Bild von 1974.  Passend nennt sie ihre Ausstellung in der Kestnergesellschaft  „Kein Stilleben“. Hier ist spürbar, dass es unter der Oberfläche der meist menschenleeren Bilder nur so brodelt – voll lauter Bedeutung.

Konsumverhalten, Gier sowie die Prägung des Denkens durch das Materielle sind dann auch die Themen von Christa Dichgans, der Großen Dame der Pop-Art.

Bei ihr türmen sich fotorealistisch gemalte Kriegsspielzeuge bis hin zum Horizont. Und wenn es dann um die Wurst geht, hat das immer  auch mit dem Spiegeln der Männlichkeit zu tun.

Auf vielen Ebenen ergänzt und komplettiert „Kein Stilleben“ die Guerrilla-Girls-Ausstellung im Erdgeschoss. Weil es bei Christa Dichgans – und sei es mit satirischem Hauch – stets auch um Geschlechterthemen geht. Weil gerade sie in den späteren collagenhaften Selbstporträts die Rolle der Frau in der Kunst hinterfragt. Und weil es die erste institutionelle Würdigung dermittlerweile 80jährigen Künstlerin ist.

Mond und Mondfahrt, 1973, Aquatec auf Leinwand, 140 x 100 cm, Courtesy Christa Dichgans. Foto: Jochen Littkemann

Am 8. März erscheint ein Katalog zur Ausstellung von Christa Dichgans.

Beide Ausstellungen werden bis zum 8. April in der Kestnergesellschaft gezeigt.

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe