Eine Attraktion mit viel Programm

Im Deutschen Karikatur-Museum reist man durch eine tolle Welt

Es macht immer wieder große Freude, das Wilhelm Busch-Museum zu besuchen – und mit einem Schmunzeln auf dem Gesicht verlässt der Besucher diese wunderbare Institution Museum

Einfach fantastisch: die Gerald Scarfe-Schau

Ein unglaublicher Karikaturist, bei dem Spaß im Vordergrund steht im wunderbaren Wilhelm-Busch-Museum

Der britische Karikaturist Gerald Scarfe legt sich gern mit jedem Strich mit den Großen dieser Welt an. Jeder, aber auch jeder bekommt sein Fett weg. Ob Trump, die Queen, Prinz Charles, Nixon, Merkel oder die Britische Premierministerin May - Scarfe ist schonungs- und gnadenlos.

Bis 12. August sind die über 100 bissigen Werke des Künstlers, der die nationale und internationale Politik bereits seit den 1960er-Jahren aufs Korn nimmt, im Museum Wilhelm Busch zu sehen.

Gerald Scarfe: Which Way Brexit © Gerald Scarfe/Museum Wilhelm Busch 

Hier und da fällt ein Lacher schon etwas lauter aus – gut so, auch das bezweckt Scarfe mit seinen Karikaturen. Eines seiner Bilder ist besonders drastisch. Es zeigt den amerikanischen Präsidenten Trump, der sich schreiend aus dem Hintern von Uncle Sam quält. Dazu der Brite schmunzelnd: „Trump ist meine Muse“, sagt er, denn er könne kaum mithalten beim Zeichnen. Trump sei zurzeit der furchtbarste Zeitgenosse.

Gerald Scarfe: Will He Destroy America?, 2018    ©Wilhelm Busch  Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst

Noch ganz warm kommt die neueste Kreation von Scarfe an die Wand des Museums für Karikatur und Zeichenkunst – allerdings keine seiner bösesten -  Meghan und Harry! (Man könnte es auch so deuten: Endlich Dein!)

Gerald Scarfe: Harry & Meghan, 2018
© Museum Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst

Scarfe ist einer der führenden Karikaturisten Englands. Er kommentiert und karikiert knallhart aber stets mit einem leisen Lächeln auf den Lippen, die Prominenten für die „Times“, „Punch“ oder „Sunday Times“.

Gerald Scarfe: »Birth of an abomination«, 2016 © Museum Wilhelm Busch

Der Künstler legt die Eigenschaften der Porträtierten in die Physiognomie und überspitzt die Eigenheiten, bis die Persönlichkeit absolut erkennbar wird. Ein wenig Sorge hatte Gerald Scarfe mit einer Merkel-Karikatur – er fragt sich, ob wir Deutschen das denn aushalten können! Er hatte die Bundeskanzlerin als dummes Muttchen karikiert – hinter ihr erhebt die alte neue Rechte ihr garstiges Gesicht. Doch das ist kein Problem für das Wilhelm-Busch-Museum, dieses Museum versteht sich als Ort der Freiheit, so die Antwort von Direktorin Gisela Vetter-Liebenow zu den Bedenken von Gerald Scarfe.

Und eine Ehre, die Scarfe und zurecht zukam: Er konnte sich in das Goldene Buch der Landeshautstadt Hannover eintragen.

Einen Scarfe-Katalog wird es in gut drei Wochen geben.

Im Obergeschoss des Museums geht es genauso weiter mit: „Große Nase“, dicker Bauch“. Hier sind Porträtkarikaturen von 1700 bis heute zu sehen von: Clinton, Jupp Derwall, Karl Marx, Gerhard Schröder etc. (Siehe unten).

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe

Gerald Scarfe: »The Queen is The Only Person Allowed to Eat Swan«
Gerald Scarfe Collection © Museum Wilhelm Busch

Große Nase, dicker Bauch

Ob in politischen Karikaturen oder gesellschaftlichen Satiren: Das überzeichnete, verzerrte Porträt ist ein zentrales Stilmittel seit Erfindung der Karikatur am Ausgang des 16. Jahrhunderts. Die Porträtkarikatur liefert eine treffende Charakterisierung mit wenigen Strichen, sie kann sowohl humorvoller Spott, Entlarvung als auch Bloßstellung sein. Kaum einer, der im Rampenlicht der Öffentlichkeit steht, wird verschont, sei es einst Napoleon oder heute Donald Trump, seien es Wissenschaftler wie Einstein oder Fußballtrainer wie Jupp Derwall.

Volker Ernsting: Jupp Derwall, 1978 © Museum Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst

In der Ausstellung „Große Nase, dicker Bauch - Porträtkarikaturen von 1700 bis heute“ demonstrieren 116 Werke die Vielfalt des satirischen Bildnisses in seiner historischen Entwicklung und seinen unterschiedlichen nationalen Ausprägungen.

Bereits im 18. Jahrhundert verschonten die englischen Karikaturen weder den König noch die politische oder gesellschaftliche Prominenz. Während in England eine weitgehende Presse- und Meinungsfreiheit herrschte, reglementierte auf dem europäischen Kontinent die Zensur das Erscheinen von Karikatur bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts.

In der Gegenwart sind Erich Sokol, Volker Ernsting oder Gerhard Haderer, die sich durch meisterhafte Porträtkarikaturen auszeichnen. Da muss sich Bill Clinton für seine Affäre mit Monica Lewinsky vorführen lassen und Angela Merkel hat am „Boulevard of Broken Dreams“ alle Konkurrenten hinter sich gelassen.  Aber auch Fußballfans werden in der Ausstellung auf ihre Kosten kommen: Volker Ernsting hat Fußballgrößen wie Jupp Derwall – Spieler und Trainer – höchst unterhaltsam karikiert.

Ein eigenes Kapitel sind Selbstkarikaturen von Wilhelm Busch vorbehalten: ironischer Spiegel der eigenen Befindlichkeit, aber auch Ausdruck des künstlerischen Selbstverständnisses.

Angela Merkel am „Boulevard of Broken Dreams“© Museum Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst (Abb. links)

Erich Sokol: Bill Clinton, o. J. © Museum Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst (Abb. rechts)

Die Exponate der Ausstellung „Große Nase, dicker Bauch“ stammen alle aus der Sammlung des Museums Wilhelm Busch, die einen reichen Bestand an historischen wie zeitgenössischen Karikaturen aufweist.

Harald Kretzschmar: Zeichner und Sammler

Harald Kretzschmar (*1931) ist ein profilierter Vertreter der ostdeutschen Karikatur und insbesondere für seine Porträtzeichnungen bekannt. Begleitend zu seinem über 60-jährigen Schaffen hat er eine Sammlung historischer Karikaturen gesammelt und sich in einem zeichnerischen Dialog auch damit auseinandergesetzt. Die Ausstellung gibt mit 89 Blättern einen Einblick in dieses Lebenswerk.

Der heute 87-Jährige veröffentlichte seine ersten Karikaturen in der Leipziger Volkszeitung, zeichnete rund 35 Jahre für die satirische Zeitschrift Eulenspiegel und engagierte sich im Verband Bildender Künstler der DDR für die Karikatur. Schon früh begann er seine Laufbahn als Karikaturist: Mit 13 Jahren zeichnete er seine erste Hitler-Karikatur! Das war 1944.

 

Harald Kretzschmar: Selbstporträt (1999)

 Ob Erich Mielke, Janosch, Loriot, F. K. Waechter oder Ronald Searle – viele bekannte Zeitgenossen hat er seitdem porträtiert. Er arbeitet freischaffend, fertigt Porträtzeichnungen von populären und unbekannten Menschen. So finden wir auch Zeichnungen in TV-Beilagen der HAZ und NP.

Die aus seiner Sammlung historischer Karikaturen für die Ausstellung ausgewählten Blätter französischer Karikaturisten wie Honoré Daumier oder Leopold Boilly sowie von Künstlern der revolutionären Zeit um 1848 übereignet Harald Kretzschmar dem Museum als Schenkung.

Die sehenswerte Zeitschau ist bis 1. Juli 2018 im oberen Geschoß in der Nähe auch zu Wilhelm Buschs malerischen und zeichnerischen Werken zu sehen.

Ein schöner Tag im und am Museum

Sie finden, das Wetter sei zu schön für einen Museumsbesuch? Der Palaisgarten wartet auf Sonnenhungrige in und Frischluftfreudige!

Hannover Woche, Sigrid Lappe / Presse Dienst Nord, Ute Micha.

Veranstaltungen im Karikaturmuseum

Die 20. Nacht der Museen im Museum Wilhelm Busch:
Kulinarik im Palaisgarten ab 18.00 Uhr 
Kurzführungen durch die Ausstellungen 18.30 / 20.00 / 21.30: Gerald Scarfe: Porträts & Karikaturen
19.00 / 20.30 / 23.00:   Große Nase, dicker Bauch
19.30 / 21.00 / 22.00       Olaf, Erwin & Co. –  Kinderbuchillustration
 Kreative Kinderaktion 18.00 – 20.00    Große Nase, kleine Ohren, spitzes Kinn: Wir gestalten Masken, mit denen uns garantiert keiner erkennt!
Fotoaktion 18 – 23 Uhr:    Big Heads: Einmal aussehen wie Angela Merkel, Donald Trump oder George Clooney. In der Fotoaktion können Sie problemlos das Aussehen zahlreicher Prominenter aus Politik und Gesellschaft annehmen. Ein digitales Foto von uns oder ein Selfie hält Ihre Verwandlung fest. #NDM2017 #Museum_Wilhelm_Busch

So., 17.06., 14–17 Uhr: Jurji Didenko zeichnet live Ihr Porträtl Der Schnellzeichner fängt Ihr Gesicht in Minuten für die Ewigkeit ein. Museumseintritt (ohne Anmeldung)

So., 24.06., 16 Uhr: Very Pretty! Modenschau im Palaisgarten
Theatralische Kleiderschau von WISO SOWI – dies sind: Luise Wickert und Floriana Sommerauer. Livemusik. 
8,00 €, erm. 6,00 € (bei schlechtem Wetter im Museum)

Digitalisierung im Wilhelm Busch Museum hat begonnen

Mit dem Archiv von Ronald Searle geht es los

Ronald Searle  (1920-2011) war schon zu Lebzeiten ein begnadeter Karikaturist.Der Brite zeichnete den Eichmann-Prozess, freche Schülerinnen und komische Katzen. Ronald Searl vertraute seinen Nachlass dem Wilhelm Busch Museum an. Er arbeitete als Reporterzeichner und prägte so unterschiedliche popkulturelle Erzeugnisse  wie z.B. den Disney-Film „Hercules“ und von  der Pop-Gruppe Pink Floyd das Album „The Wal“.

Sein Nachlass lagert als Konvolut im Wilhelm Busch Museum – und steht seit der letzten Woche der Welt der Forschung zur Verfügung. Denn die Digitalisierung macht es möglich! Ein großer Teil der Sammlung steht online. Das kostenlos nutzbare Netzarchiv soll den Nachlass besonders der internationalen Forschung zugänglich machen. „Dieses Portal ist für uns eine Kommunikationsplattform von unschätzbarem Wert, sagt Museumsleiterin Gisela Vetter-Liebenow. Sukzessive sollen alle 50 000 Archivalien der Karikaturen-Sammlung digitalisiert werden.

Zum Start sind rund 1400 Objekte erfasst und täglich werden es mehr. Und nicht nur die Infrastruktur der Seite lässt vielfache Querverbindungen zu, zum Beispiel zu Searles umfangreicher Bibliothek und seinem Archiv, die auch im Museumlagern – 40 Aktenmeter lang. „Museen sind nur so gut wie ihre Sammlungen und Sammlungen sind nur so gut, wie sie erschlossen werden“, sagt Sabine Schormann, Direktorin der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und der VGH-Stiftung.

Flankiert wird die Öffnung des Searle-Archivs durch ein erstmalig vom Förderverein ausgelobtes „Fellowship“-Programm. Das Kurzstipendium ermöglicht Wissenschaftlern, sich vier Wochen lang vor Ort mit der Sammlung zu befassen. Es beinhaltet unter anderem die Unterbringung im Leibnizhaus und einen Arbeitsplatz imMuseum.

Der 2011 verstorbene Ronald Searle wurde in den Fünfzigern durch seine Karikaturen der fiktiven Mädchenschule St.-Trinians auf einen Schlag bekannt. Zeitgenössische Zeichner wie der Simpsons-Erfinder Matt Groening bezeichneten Searle als ein wichtiges Vorbild.

Für Hendrik Poensgen, den Leiter des städtischen Kulturbüros, steht das Projekt idealtypisch für das, was Hannover als mögliche Kulturhauptstadt auszeichnet: „Es zeigt die europäische Dimension dessen, was in Hannover passiert, und die besondere Beziehung zu England.“

Alles zu finden unter: sammlungonline.karikatur-museum.de

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe