Sprengel Museum Hannover - Kurt-Schwitters-Platz

Telefon (0511) 168 - 4 38 75, E-Mail: Sprengel-Museum@Hannover-Stadt.de.  

Öffnungszeiten: Montag geschlossen, Dienstag 10 - 20 Uhr, Mittwoch bis Sonntag 10 - 18 Uhr.

Eintrittspreise: Sammlung des Museums und Sonderausstellungen 7 Euro, ermäßigt 4 Euro, freier Eintritt für Kinder bis 12 Jahre,  freitags freier Eintritt. Führungen und Sonderveranstaltungen (sofern nicht anders angegeben) zzgl. 1 Euro. Gruppen ab 10 Personen: 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro. Jahreskarte (Sammlung und Sonderausstellung): 35 Euro, ermäßigt 20 Euro.


Veranstaltungen im Museum siehe auch Tipps + Termine / HANNOVER UND DER NORDEN


Das ist das Museum

Das Sprengel Museum Hannover zählt mit seiner umfangreichen Sammlung und dem vielfältigen Ausstellungsprogramm zu den bedeutendsten Museen der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.

Den Anfang machte die Schenkung von Schokoladenfabrikant Dr. Bernhard Sprengel: 1969 übergab er seine umfangreiche Sammlung moderner Kunst der Stadt Hannover und unterstützte den Bau des Museums. Eindrucksvolle Akzente setzen wichtige Künstlergruppierungen wie „Die Brücke“, „Der Blaue Reiter“ sowie Stilrichtungen wie der Kubismus und der Surrealismus. Die Sammlung umfasst bedeutende Werkgruppen u. a. von Pablo Picasso, Fernand Léger, Max Beckmann, Max Ernst, Paul Klee, Emil Nolde, und Kurt Schwitters.

Niki de Saint Phalle, die durch ihre Nana-Skulpturen bekannt geworden ist, bereichert das Museum durch ihre Schenkung im Jahr 2000. Mit über 400 Werken sind alle wesentlichen Schaffensphasen der „Jahrhundertkünstlerin“ vertreten, darunter Assemblagen, Schießbilder, Skulpturen und Zeichnungen. Eine Attraktion sind die von Künstlern gestalteten Räumen, wie die Rekonstruktion des legendären Merzbaus von Kurt Schwitters und die Lichträume von James Turrell. In den vergangenen 30 Jahren ist der Bestand des Museums um wesentliche Werke wie z. Bsp. von Andy Warhol, Alexander Calder, Gerhard Richter und Sigmar Polke. Darüber hinaus stellt die Fotografie einen wesentlichen Sammlungsschwerpunkt dar.


AUSSTELLUNGEN - AKTIONEN


Und es ward Licht! Ein Museum besinnt sich auf seine Elementarteile

Ausstellung Grundbausteine des Sprengel Museum und seiner Kunst

Zu seinem 40-jährigen Jubiläum präsentiert das Sprengel Museum die Ausstellung „Elementarteile“. Die Themen ergeben sich aus den Fragestellungen der Ausstellungsmacher: Was sind die Kernbestandteile der Institution? Was ist Kunst und woraus besteht Kunst? Worauf bezieht sie sich und wovon handelt sie? In zehn unglaublich informativen wie herausfordernden Themenräumen befragt sich das Museum als Institution und seine Sammlung nach grundlegenden Fragen: Welche Rolle spielt die Farbe als ein Grundbausteine in der Kunst, welche Materialien nutzen die Künstler*innen und nach welchen Form- und Gestaltungsprinzipien agieren sie? Auf welche Wirklichkeit(en) beziehen sich Werke zwischen Konzeptkunst, Abstraktion und Figuration? Welche Inhalte spielen dabei eine Rolle, welche Geschichten werden erzählt, wie spiegelt sich Geschichte in der Kunst?

Joseph Beys, Capri-Batterie, 1985, Multiple gelbe Glühbirne mit Steckfassung in Holzkiste, Zitronr5,5 cm (Glühbirne), Sprengel Museum, Foto: Herling/Herling/Werner, Sprengel Museum, Hannover, ©VG Bild-Kunst, Bonn 2019

 „Elementarteile“ lässt mehr als 150 Werke aus dem 20. Jahrhundert und der Gegenwartskunst aufeinandertreffen und zeigt ein beeindruckend breites Spektrum von Ausdrucksmöglichkeiten in Malerei, Skulptur, Grafik, Fotografie und Film von Künstler*innen wie Max Beckmann, Louise Bourgeois, Grethe Jürgens, Niki de Saint Phalle, Pablo Picasso und Gerhard Richter.

Da fehlt einfach nichts und niemand, und man kann nur sagen: Es ward Licht!

Ausstellung bis 31. Dezember 2021

Bruce Nauman, Double Slap in the Face, 1985 © Foto: Herling / Herling / Werner, Sprengel Museum Hannover

Ute Micha, Presse Dienst Nord/Sigrid Lappe, Hannover Woche

Veröffentlicht 15.04.2019


Merz steht allen offen, den Idioten wie den Genies

Sprengel Museum präsentiert crossmediale Ausstellung „100 Jahre Merz“

Von Kurt Schwitters und anderen in der Ausstellung bis zum 6. Oktober

Ja, für 100 Jahre sollte man sich einmal so richtig Zeit nehmen: Nicht ganz vier Monate lang wird die Ausstellung „100 Jahre Merz" im Sprengel Museum zu sehen sein.

Kurt Schwitters schnitt in Hannover 1919 die Silbe „Merz“ aus einer „Kommerz und Privatbank“ Reklame heraus, und begründete damit ein Lebenswerk, was bis heute nachhallt: in Forschung, bildender Kunst sowie im Alltag. Und mitten drin: Das Wort „Merz“ - gemeint als Slogan, Witz, Unsinn, Neuanfang und sogar Symbol einer ganz eigenen dadaistischen Ein-Mann-Show der Modene darauf aus, die Kunst nach dem ersten Weltkrieg komplett neu zu ordnen.

Und  „Merz“ feiert, ebenso wie das Bauhaus, in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag.

Vom 29. Mai bis zum 6. Oktober wird gefeiert. Eine crossmediale, hochkarätige Ausstellung ist ganz im Kosmos Schwitters angelegt, mit fast 200 Werken, die zum großen Teil aus dem Sprengel-Archiv stammen. „Was wir in Hannover für eine Sammlung haben, ist schon ganz Besonders", sagte Kuratorin Isabel Schulz. Und „solch eine Ausstellung hätte mit Leihgaben Millionen von Euro gekostet." Mit Kollegin Katrin Kolk hat Schulz die Ausstellung erarbeitet und zusammengestellt.

Thematische Ausgangspunkte wurden nach Schwitters Merz-Zeitschriften verwendet, die schon in den 20er Jahren unregelmäßig erschienen und in der globalen Avantgarde zu der Zeit hohe Wellen schlug.

Denn Dadaismus hieß reine Provokation des Bürgertums und die Überraschung aller Erwartungen übertraf - etwa für die hannoverschen Bürger, die dann 1920 eines morgens an den Litfaßsäulen  der Stadt  „An Anna Blume“ geklebt sahen. Und wie man sich vorstellen kann, der Skandal um das Gedicht ging durch die Gazetten, der Name Schwitters war von da an präsent!

Zu einer späteren Zeit, als Schwitters auf einer Lesereise durch die Niederlande das Publikum wie ein Hund anbellte, fielen die Zuhörer reihenweise in Ohnmacht, bei Lesungen seiner Lautgedichte wurde dann die Bühne auch regelmäßig von verärgerten Besuchern gestürmt.

Seine Strahlkraft rekonstruiert die Ausstellung mit Filmaufnahmen, Zeitschriften und Gemälden, die fast allesamt einen Platz in der Dauerausstellung verdient hätten. Und unter den vielen Schätzen befinden sich auch drei berühmte Märchen, für die Schwitters die Texte schrieb und Käthe Steinitz die Illustrationen fertigte.

Und das Janusgesicht ist das Faszinierende an dem Künstler. Er war Avantgardist und Traditionalist zugleich, gesegnet mit einer gestalterischen Kraft, die in alle möglichen Betätigungsfelder heineinströmten. Und er war ein Meister der künstlerischen Collage, in der die politischen und moralischen Erschütterungen seiner Zeit schon sichtbar werden. Er war ein Meister von komerzieller Bild-und Textgestaltung.

Mit dieser Gabe überzeugte er hannoversche Unternehmen wie etwa die Firma Pelikan von seinen fantastischen werblichen Fähigkeiten. Schwitters, 1887 in Hannover geboren, von den Nazis aus Deutschland vertrieben und 1948 im englischen Exil gestorbenen Künstler verspottete der dadaistische Schriftsteller Richard Huelsenbeck einmal als „Genie im Bratenrock“.

Anders als die Dadaisten in New York, Berlin oder Zürich war Schwitters nicht nur destruktivistisch tätig, was die Ausstellungmit Querverweisen auf Pablo Picasso, Paul Klee und George Braque auch zeigt: Und wie die Konstruktivisten wollte Schwitters eine völlig neue Kunst entwerfen, anstatt die veraltete nur zu zerstören.

Die Ausstellung widmet sich nicht nur dem „Säulenheiligen des Museums“, wie Sprengel Direktor Reinhard Spieler Schwitters nennt, sondern auch der generellen Frage, welche Themen die europäischen Künstler nach dem ersten Weltkrieg bewegt haben.

Und Parallelen zu dem heute lassen sich leicht ziehen: Kurt Schwitters arbeitete schon damals multimedial mit Ton, Bild, Schrift und Skulptur. Denn seine Collagen zeigen deutlich die Kraft des Upcyclings, die aus dem Müll der Konsumgesellschaft neue Kunstwerke präsentiert. "Merz ist ein Standpunkt, den jeder benutzen kann", sagte Schwitters über sein Lebenswerk. Und gleichzeitig bezeichnete er die Merzkunst als "absolut individuellen Hut, der nur auf einen einzigen Kopf passte" - natürlich auf seinen eigenen.

Und er sagte: Merz steht allen offen, dem Idioten wie den Genies! 

Ausstellung bis zum 6. Oktober 2019.

Auch ist der vierte Band der Schwitters-Edition in Buchform und als frei zugängliche Onlineausgabe erhältlich.

Ute Micha, Presse Dienst Nord/Sigrid Lappe, Hannover Woche

Veröffentlicht 25.08.2019


Buchpräsentation „Gerd Schmidt Vanhove“

Im Calder-Saal des Sprengel Museums wurde der Vanhove-Katalog präsentiert 

Der Ausstellungskatalog „Gerd Schmidt Vanhove“ wurde am 17. September im Museum präsentiert. Olga Nevzorova war die Kuratorin der Ausstellung „Gerd Schmidt Vanhove – Skulpturen und Malerei“, die 2018 vom 14. August bis 7. Oktober im Sprengel Museum gezeigt wurde.

Neben den in der Ausstellung behandelten Werken gibt der Katalog einen Überblick über das Gesamtwerk des Künstlers, dass 2018 von der h:art collection aufgekauft wurde.

Schmidt Vanhove (*1950) benutzt für seine Kunstwerke Abfall, der weggeworfen und nicht beachtet wird, und bearbeitet diesen mit Kleber, Farben, Ton, konserviert und collagiert ihn oder lässt ihn sich durch elektrische Getriebe drehen und leuchten. Er erlaubt Einblicke in eine grotesk-traumhafte Vorstellungswelt.

Sein Repertoire reicht von kinetischen Skulpturen bis zu präzise gesetzten Szenen, die in meist kleinen Glasboxen arrangiert sind, es steht in der Tradition des Dadaismus und abseits des Mainstreams. Von 1989 bis 2017 arbeitete Vanhove im Atelierhaus in der Kornbrennerei von Prof. Siegfried Neuenhausen, bei dem er 1990 sein Studium an der HBK Braunschweig als Meisterschüler abschloss. In den 1980er- und 90er-Jahren waren seine Arbeiten in zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen zu sehen, wie in der 68. Herbstausstellung im Kunstverein, im KUBUS oder in der Kornbrennerei sowie im Rahmen von Projekten in New York und Bristol. Der Katalog ist am Informationstresen des Museums erhältlich.

Gerd Schmidt Vanhove, Hrsg. Olga Nevzorova, Texte von Reinhard Spieler, Olga Nevzorova, Till Briegleb, Gerd Schmidt Vanhove. Deutsch, Englisch, 2019. 132 Seiten, mehr als 100 Abb.ISBN 978-3-89169-244-8, 35 Euro 


Mika Rottenberg erhält den Kurt-Schwitters-Preis 2019

Preis der Niedersächsischen Sparkassenstiftung wird zum zwölften Mal vergeben.

Die argentinische Künstlerin wurde 1976 in Buenos Aires geboren und lebt und arbeitet in New York. In ihren Installationen und Videoarbeiten nimmt sie auf humorvolle Weise die Frau als Produktionsmittel im Kapitalismus in den Fokus. Ihre Werke, die sie selbst als „Social Surrealism“ bezeichnet, wurden weltweit in renommierten Museen und auf bedeutenden Kunstmessen ausgestellt.   

Die international besetzte Jury begründet ihre Wahl wie folgt: „Die fantasievollen Videoarbeiten und Installationen von Mika Rottenberg verflechten Dokumentarisches mit Fiktion in surrealen Allegorien unseres heutigen Lebens. Ihre ausgeklügelten visuellen Erzählungen beleuchten die vernetzten Zusammenhänge zwischen Volkswirtschaften, geografischen Gebieten, Arbeitsformen und Wertschöpfung.

Mika Rottenborg (c) Miro Kuzmanovic

Ihre Werke zeigen häufig Protagonistinnen mit ungewöhnlicher Körpergestalt, die an skurrilen fabrikähnlichen Arbeitsorten allerlei Güter herstellen: einen Käse, der aus der Milch äußerst langer Frauenhaare gewonnen wird (Cheese, 2008); gezüchtete Perlen (NoNoseKnows, 2015); bunte Großhandelsposten aus Kunststoff, die millionenfach in chinesischen Megamärkten feilgeboten werden (Cosmic Generator, 2017). 

Mit ihrer absurden Satire spricht Rottenberg die dringenden Fragen unserer Zeit messerscharf an. Ihre mitreißenden Werke finden internationale Beachtung und wurden vielfach ausgestellt, unter anderem auf der Taipei Biennial (2014), auf der 56. Biennale in Venedig (2015), bei Skulptur Projekte Münster (2017) sowie auf der Architekturbiennale in Venedig (2018). In ihrem interdisziplinär experimentellen künstlerischen Ansatz und in der Beschäftigung mit der Verwobenheit von Maschine und Körper klingt die Sensibilität des bahnbrechenden Künstlers Kurt Schwitters nach. Damit ist sie die ideale Kandidatin für den Kurt-Schwitters-Preis.“  

Anliegen des Kurt-Schwitters-Preises ist es, Künstlerinnen und Künstler zu würdigen, „deren Werk durch die Berufung auf Kurt Schwitters gekennzeichnet ist und sich durch das Vorwagen in neue Bereiche künstlerischen Gestaltens und künstlerischer Vorstellungen auszeichnet, oder deren Werk einen Beitrag zur Verbindung und Integration der künstlerischen Gattungen leistet“.

Der Preis der mit 25.000 Euro dotiert ist, wird voraussichtlich Ende 2019 verliehen.


Das Sprengel Museum gewährt Einblick im Depot auf neue Trends

„Gezielte Setzungen - Übermalte Fotografie in der zeitgenössichen Kunst“ und „Kunstlandschaft - Naturwelten in der Kunst seit 1950“

Um Fotos zu verändern, muss man nicht unbedingt digitale Filter und entsprechende Bearbeitungsprogramme nutzen.

Hier gibt der künstlerische Zugriff ganz andere und deutlich erweiterte Möglichkeiten, wie die Ausstellung „Gezielte Setzungen – Übermalte Fotografie in derzeitgenössichen Kunst“ im Sprengel Museum verdeutlicht.

Hier ist eine Ausstellung über analoge Foto-Kunst und Kunst-Fotos im digitalen Zeitalter zu bewundern: Sechs Künstlerinnen und Künstler wie Bildhauer und Maler, hatten kein Vertrauen mehr in die Übermittlung von einmal gefundenen und einmal selbst gemachten Fotos. Kurzerhand veränderten sie die mit Pinsel, Messer und Farbe.

Florian Merkel zum Beispiel bediente sich mit Eiweißlasurfarbe und Silbergelantinebaryt und vertiefte den Ausdrucksgehalt und die Nahaufnahmen zu pop-artigen Hybridgemälden.  

Helen Feifel, Stage I, 2018, Übermalte Fotografie, 186 x 138 cm © Helen Feifel

Das funktioniert auch in die andere Richtung, wenn etwa Peter Klare mit Gouache seine analogen Schnappschüsse aus fahrenden Autos beruhigt, weil er wichtige Bildelemente hinter einen grauen Schleiereinfach verschwinden lässt - das erinnert an den digitalen Korrekturstift, mit dem Pixel verwischt werden.

Sabine Jung arbeitet überwiegend mit Fotografien, die sie irgendwo gefunden hat - es sind meist schwarzweiße Frauenporträts. Sie bedient sich einer schminknahen Übermalung von Lippen, Wimpern und Augen aber auch Fragen nach Gender und unserem Schönheitsideal.

Und dass man seine Bildweiten vorher auch selbst inszenieren  kann, zeigt Helen Feifel, eine innovative Bildhauerin, die Bühnenarrangements oder Tanzposen erst dann fotografiert, wenn diese reizvoll kostümiert übermalt wurden.

Ausstellung bis zum 6. Oktober

Ute Micha, Presse Dienst Nord/Sigrid Lappe, Hannover Woche

Veröffentlicht 03.07.2019 


Kunst und Landschaft in künstlerischen Auseinandersetzungen

Verhältnis von Kunst, Landschaft und Natur in der Kunst 

„KunstLandschaft. Naturwelten in der Kunst ab 1950“ beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Kunst, Landschaft und Natur die uns meist kulturell geordnet und dienstbar gemacht entgegentritt. Die Ausstellung beschränkt sich auf den Zeitraum von den 1950er-Jahren bis heute, in dem sich das Verhältnis zu Natur und Umwelt wandelte, spürtl die Ausstellung eine Facette dieses Verhältnisses innerhalb der bildenden Kunst nach. Von Grethe Jürgens bis Heinrich Riebesehl und von Franz Gertsch bis Martha Rosler zeigt die Ausstellung eine fotografische und malerische Bildfolge, die sich mit Natur und Kunstlandschaft befasst.
Obwohl Landschaft Teil der Natur ist, treffen wir sie oft als künstliche, von Menschen gestaltete Naturfläche. Deutlich wird, dass unser Umgang mit der Natur von Widersprüchen geprägt ist, die sich auch in der Kunst widerspiegeln. Was bestimmt also unsere Wahrnehmung von Natur und Landschaft und des Gepflanzten allgemein?

Blume [Tulpe], aus der 66-teiligen Reihe „Dinge“ (Teil 39), 2013 © Foto: Herling / Herling / Werner, Sprengel Museum Hannover, © Claus Goedicke

In der Ausstellung spiegeln sich die beiden Begriffe Kunst und Landschaft in unterschiedlichsten künstlerischen Auseinandersetzungen. Kuratorin ist Stella Jaeger.

Ausstellung bis 6. Oktober 2019


Verfemt – Gehandelt. Die Sammlung Doebbeke im Zwielich

Detektivische Arbeit der Provenienzforschung dokumentiert

Woher stammen die Bildwerke in der Sammlung des Sprengel Museums? Wer waren ihre ehemaligen Eigentümer? Die Ausstellung "Verfemt – Gehandelt" wird 20 Jahre nach Unterzeichnung der Washington Principles die detektivische Arbeit der Provenienzforschung beleuchten und Einblick in die Ergebnisse und Sammlungsgeschichte geben.

Anhand von rund 60 Werken werden Handelswege und vormalige Eigentumsverhältnisse aus der Zeit des Nationalsozialismus und nach 1945 beleuchtet, als die Museen der Stadt Hannover ihre durch die Aktion ‚Entartete Kunst‘ 1937 und Kriegseinwirkungen geplünderten Sammlungen mit Neuankäufen wieder ergänzten. Fragen der Herkunft wurden seinerzeit nicht nachdrücklich verfolgt. Die Ausstellung will Schicksale von während des Nationalsozialismus entrechteten jüdischen Opfern in den Blick nehmen, die durch die nationalsozialistischen Gesetzgebungen verfolgt, in die Emigration getrieben oder deportiert und ermordeten wurden.

Ernst Ludwig Kirchner "Musikzimmer II", 1915/1920, Öl auf Leinwand, 121,5 x 91,3 cm Sprengel Museum, Kunstbesitz der Landeshauptstadt Hannover. Foto: Herling/Herling/Werner, Sprengel Museum 
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Forschungen zu dem bislang unbekannten Sammler, dem Berliner Immobilienhändler Dr. Conrad Doebbeke (1889 – 1954), Allein 1949 hat Hannover 114 Werke gekauft, darunter auch vormals verfemte Künstler wie Kirchner, Nolde, Klee, Rohlfs, Liebermann, Corinth und Slevogt. Bei diesem von Ferdinand Stuttmann, dem damaligen Direktor des Landesmuseums, vermittelten Kauf stammten alle Werke von Conrad Doebbeke, bei keinem Werk wurde ein Herkunftsnachweis verlangt.
Auf die Spuren hat sich Kuratorin Annette Baumann mit unglaublicher Akrebie begeben – und sie sieht noch viel Forschungsbedarf!

Ausstellung bis 17. November.

Weitere Informationen unter sprengel-Museum


Videokunst bis 5. Januar 2020

 Bjørn Melhus. SPECTRAL AFTERLIVES

In seiner langjährigen künstlerischen Praxis hat Bjørn Melhus innerhalb der Videokunst eine singuläre Position entwickelt, die insbesondere die Möglichkeiten der Kino- und Fernsehrezeption erweitert. In seinen zumeist narrativen Filmen, Videos und Installationen rekontextualisiert er durch die Aufsplitterung von Bild- und Tonebene bekannte Motive, Themen und Strategien der Massenmedien. Seine multiplen, oft auch tragikomischen Rollenspiele legen Mechanismen der  Kommerzialisierung offen und rebellieren gegen Simplifizierung sowie globale kulturelle Vereinheitlichung.

Bjørn Melhus „The End Time“, 2019. 4-Kanal-Videoinstallation, ca. 7 Min,, Loop. VG Bild-Kunst, Bonn, 2019

Gezeigt werden frühe Arbeiten, u. a. „Das Zauberglas“ (1991), „Blue Moon“ (1997-1998) und „Auto Center Drive“ (2003) sowie die neue Videoinstallation „The End Time“, die zur Ausstellung entstanden ist und als Weltpremiere im Sprengel Museum Hannover präsentiert wird.

Melhus studierte in den 1990er-Jahren an der HBK Braunschweig und erhielt 2001 den Sprengel-Preis der Niedersächsischen Sparkassenstiftung. Seit 2003 lehrt er als Professor für Bildende Kunst / Virtuelle Realitäten an der Kunsthochschule in Kassel.

 Anlass der Ausstellung ist das Erscheinen des 74. Bandes der von der Stiftung Niedersachsen herausgegebenen Reihe „Kunst der Gegenwart aus Niedersachsen“. Die Ausstellung findet in Kooperation mit der Stiftung Niedersachsen statt.


SKULPTUREN Sehen Zeichnen Entdecken

Die Besucherinnen und Besucher – kleine und große – sind eingeladen, mit Papier und Bleistift Skulpturen des 20. Jahrhunderts aus der Sammlung des Sprengel Museum Hannover zeichnerisch zu entdecken. Das Museum wird in einem Sammlungsraum des Erweiterungsbaus zu einem Ort des Anschauens und „Sich-Zeit-nehmens“, des aktiven Verweilens und eines „entschleunigten Blicks“.

Die durchschnittliche Betrachtungsdauer eines Kunstwerks liegt bei 11 bis 20 Sekunden, – das sind 3 bis 4 Atemzüge, oder die Dauer des Klicks auf den Auslöser der Kamera des Handys. Um dieses ästhetische Erleben zu verlangsamen und das Sehen zu intensivieren kann man in dem Ausstellungsraum Platz nehmen und sich an einem Zeichentisch den Kunstwerken annähern.

 Als ein "Gegenüber" werden Skulpturen von Jacques Lipchitz, Aristide Maillol, Julio Gonzales, Henri Laurens, Man Ray, Marini Marino, Barbara Hepworth, Lynn Chadwick und A. R. Penk präsentiert.

Juloi Gonzáles "Don Qiuichotte", 1929, Eisen 43,7 x 12 x 6,5 cm, Kunstbesitz der Stadt Hannover, Sprengel Museum Hannover. Foto: Herling/Herling/Werner, Sprengel Museum



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