Sprengel Museum Hannover ist wieder geöffnet

Telefon (0511) 168 - 4 38 75, E-Mail: Sprengel-Museum@Hannover-Stadt.de.  


Das ist das Museum

Das Sprengel Museum Hannover zählt mit seiner umfangreichen Sammlung und dem vielfältigen Ausstellungsprogramm zu den bedeutendsten Museen der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.

Den Anfang machte die Schenkung von Schokoladenfabrikant Dr. Bernhard Sprengel: 1969 übergab er seine umfangreiche Sammlung moderner Kunst der Stadt Hannover und unterstützte den Bau des Museums. Eindrucksvolle Akzente setzen wichtige Künstlergruppierungen wie „Die Brücke“, „Der Blaue Reiter“ sowie Stilrichtungen wie der Kubismus und der Surrealismus. Die Sammlung umfasst bedeutende Werkgruppen u. a. von Pablo Picasso, Fernand Léger, Max Beckmann, Max Ernst, Paul Klee, Emil Nolde, und Kurt Schwitters.

Niki de Saint Phalle, die durch ihre Nana-Skulpturen bekannt geworden ist, bereichert das Museum durch ihre Schenkung im Jahr 2000. Mit über 400 Werken sind alle wesentlichen Schaffensphasen der „Jahrhundertkünstlerin“ vertreten, darunter Assemblagen, Schießbilder, Skulpturen und Zeichnungen. Eine Attraktion sind die von Künstlern gestalteten Räumen, wie die Rekonstruktion des legendären Merzbaus von Kurt Schwitters und die Lichträume von James Turrell. In den vergangenen 30 Jahren ist der Bestand des Museums um wesentliche Werke wie z. Bsp. von Andy Warhol, Alexander Calder, Gerhard Richter und Sigmar Polke. Darüber hinaus stellt die Fotografie einen wesentlichen Sammlungsschwerpunkt dar.



Neue Öffungszeiten

Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Samstag: 13.00 - 18.00 Uhr , Freitag und Sonntag, 10.00 - 18.00 Uhr

Samstag, 10.00 - 13.00 Uhr: Exklusive Sonderöffnungszeit, reserviert für Risikogruppe 50+ und Menschen mit starken gesundheitlichen Einschränkungen


AUSSTELLUNGEN


Ausstellung Grundbausteine des Sprengel Museum und seiner Kunst

Zu seinem 40-jährigen Jubiläum präsentiert das Sprengel Museum die Ausstellung „Elementarteile“. Die Themen ergeben sich aus den Fragestellungen der Ausstellungsmacher: Was sind die Kernbestandteile der Institution? Was ist Kunst und woraus besteht Kunst? Worauf bezieht sie sich und wovon handelt sie? In zehn unglaublich informativen wie herausfordernden Themenräumen befragt sich das Museum als Institution und seine Sammlung nach grundlegenden Fragen: Welche Rolle spielt die Farbe als ein Grundbausteine in der Kunst, welche Materialien nutzen die Künstler*innen und nach welchen Form- und Gestaltungsprinzipien agieren sie? Auf welche Wirklichkeit(en) beziehen sich Werke zwischen Konzeptkunst, Abstraktion und Figuration? Welche Inhalte spielen dabei eine Rolle, welche Geschichten werden erzählt, wie spiegelt sich Geschichte in der Kunst?

Joseph Beys, Capri-Batterie, 1985, Multiple gelbe Glühbirne mit Steckfassung in Holzkiste, Zitronr5,5 cm (Glühbirne), Sprengel Museum, Foto: Herling/Herling/Werner, Sprengel Museum, Hannover, ©VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Elementarteile“ lässt mehr als 150 Werke aus dem 20. Jahrhundert und der Gegenwartskunst aufeinandertreffen und zeigt ein beeindruckend breites Spektrum von Ausdrucksmöglichkeiten in Malerei, Skulptur, Grafik, Fotografie und Film von Künstler*innen wie Max Beckmann, Louise Bourgeois, Grethe Jürgens, Niki de Saint Phalle, Pablo Picasso und Gerhard Richter.

Da fehlt einfach nichts und niemand, und man kann nur sagen: Es ward Licht!

Ute Micha, Presse Dienst Nord/Sigrid Lappe, Hannover Woche


RUHIGE MOMENTE

Interieurs und Stillleben aus der Grafischen Sammlung

Sprengel stellt fertige Ausstellung auch online

In der Themenausstellung im Grafischen Kabinett begegnet der Besucher Werken aus der eigenen Sammlung des Hauses im neuen Kontext, zusammengestellt von Kuratorin Karin Orchard.

Der so ganz eigene und hochaktuelle Rückzug in die eigenen vier Wände, bestückt mit Alltagsgegenständen, ist hier im Hause das Thema - vom 17. Jahrhundert bis heute.

Joost Schmidt, Zerbrochene Tasse, um 1938, Aquarell, 35,9 x 35,9 cm, Leihgabe Niedersächsisches Landesmuseum, Hannover, Sprengel Museum Hannover, Foto: Herling/Herling/Werner, Sprengel Museum Hannover (Foto lks.)

Als die Ausstellung geplant wurde, war nicht absehbar, wie aktuell dieses Thema werden würde, und dass der vollkommene Rückzug aus dem öffentlichen Leben in das Private unserer Wohnungen unser aller Leben bestimmen würde. Vielleicht vermag diese Ausstellung etwas Trost zu spenden und Anregungen zu geben, sich mit der Erfahrung der stark aufs Häusliche beschränkten Umgebung zu beschäftigen.

„Ruhige Momente“ erlebt man meist in freundlicher Umgebung und warmer Atmosphäre. Innenräume und ihre Ausstattung bieten in unsicheren und gehetzten Zeiten einen geschützten Rückzugsort, um zu entspannen und zur Ruhe zu kommen. Sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen und in den eigenen vier Wände einzuigeln, bezeichnet die Kulturgeschichte als Cocooning. Diese Zustände werden in der Kunst seit dem 17. Jahrhundert in den Gattungen von Stillleben und Interieur dargestellt. Seit den Avantgardebewegungen um die Wende zum 20. Jahrhundert bis heute haben sich die Künstler*innen von den traditionellen Gattungsbegriffen und Symboliken allerdings befreit und ihre eigenständigen Interpretationen von Räumlichkeiten und Gegenständen gefunden.

Der Laserdruck von Hamilton ist ein richtiges Prachtexemplar der aktuellen Schau und spiegelt wieder, was gerade so im Sprengel Museum los ist:  "Ruhige Momente"! (Foto r.) 

Blautöne werden instinktiv als beruhigend empfunden und wecken unsere Sehnsucht nach einer verlässlichen und sicheren Basis von Harmonie und Geborgenheit. So wird die Ausstellung mit einer „blauen“ Wand eröffnet: Auf ihnen präsentieren wir beispielsweise die farbintensiven Abstraktionen von Nachtblau und Schwarz von Rupprecht Geiger, die Abendstille und nächtliche Ruhe suggerieren.

Das Gehäuse für das Interieur und den darin befindlichen Hausrat ist natürlich das Haus oder die Wohnung. Marc Chagall verweist in seinem Selbstporträt (1922/23) mit dem elterlichen Haus als Hut auf dem Kopf noch auf eine weitere Bedeutung von „Haus“ im Sinne von Familie und einem gemeinsamen Zusammenleben. Paul Klee erweitert den Begriff ins soziale Miteinander. In der häuslichen Umgebung werden Momente des alltäglichen Daseins ihrer Bewohner*innen eingefangen, die aber durchaus auch einen politischen Sinn oder allegorische Hintergründe haben können, die witzig oder moralisch, rätselhaft oder poetisch sein können. Im 19. Jahrhundert ist das Interieur allgegenwärtig, hier verschanzt sich das Bürgertum in seiner „guten Stube“ gegen die als chaotisch empfundene Großstadt. In der modernen Kunst wird auch die Gegenseite dieser Heimeligkeit, nämlich das Zimmer als Stätte der Angst und Bedrängnis, als einsame Falle und Kerker wahrgenommen. Auch das mit einem „Moskitonetz“ verhängte Bett in Max Beckmanns Zeichnung (1939/1947) ist vermeintlich ein Ort der Geborgenheit. Das Netz deckt die schlafende Frau nur zum Teil ab, sie ist den Insektenstichen hilflos ausgeliefert. Die Zeichnung entstand im prekären holländischen Exil, wo Beckmann in Furcht vor Ausweisung und Musterung lebte.

Einen politischen Aspekt greift Ilja Kabakow in seiner Zeichnungsserie „The Shower“ (1970-1974) auf. Der nackte, mit verschränkten Armen frierend unter der Dusche stehende Mann wartet vergeblich auf das Wasser, das in aberwitziger Weise alle möglichen Formen um seinen Körper herum annimmt, nur nicht den zum Duschen erforderlichen Wasserstrahl. Die Serie wurde interpretiert als Kritik am sozialistischen System und den gesellschaftlichen Bedingungen in der UdSSR und markiert Kabakows Umschwung vom offiziellen Staatskünstler zum Dissidenten.

Die Tradition des Stilllebens mit wechselnden allegorischen Bedeutungen der dargestellten, leblosen Gegenstände reicht zurück bis in die Antike. Neben den traditionellen Motiven wie Blumen, Vasen, Speisen und leblosen Tieren wurden in der Moderne vor allem Alltagsgegenstände bevorzugt. Künstler wie Fernand Léger und Pablo Picasso konnten die neue kubistische, das Motiv zerlegende Formensprache etwa in Stillleben von gedeckten Tischen mit vertrauten Gegenständen erproben.

Auch andere moderne Haushaltsgegenstände und technische Errungenschaften wie Steckdosen und Telefone, vakuumierte Schinkenscheiben oder Arbeitsmittel wie Steigeisen werden bildwürdig und zum experimentellen Medium.

Die mahnende Erinnerung an den unausweichlichen Tod beschäftigt auch die modernen und zeitgenössischen Künstler*innen. Wie in den traditionellen Vanitasdarstellungen ist auch in der Moderne der Totenschädel eines Menschen oder Tieres das Symbol der Vergänglichkeit und Sterblichkeit, wie etwa bei Pablo Picasso.

Die Ausstellung folgt diesen Motiven in all ihren Facetten, vornehmlich aus der grafischen Sammlung des Sprengel Museum Hannover. Sie ist nicht chronologisch gegliedert, sondern widmet sich zeitenübergreifend einzelnen Themenbereichen: Neben den bereits genannten Künstler*innen umfasst sie Werke von u. a. Andy Warhol, Max Beckmann, Richard Hamilton, Max Ernst, Roy Lichtenstein, Anna Oppermann und Oskar Schlemmer.

„Ruhigen Momente“ ist auch als Online-Ausstellung auf der Website unter finden: sprengel.hannover-stadt/home  zusehen. Wenn Sie die Seite unter dem Menüpunkt „Sammlung Online“ herunterscrollen erscheint die Ausstellung als eigener Beitrag. Die ausgestellten Werke sind hier mit allen wichtigen Angaben zu sehen, sichtbar werden auch die in den Räumen vorgenommenen Gruppierungen der Werke.

Unter anderem sind noch zu sehen Werke von Andy Warhol über Pablo Picasso bis zu Roy Lichtenstein.

Ute Micha, Presse Dienst Nord/Sigrid Lappe, Hannover Woche

04.05.2020


Aggregatzustände

Das Material der Kunst von Abfall bis Zement

Bis ins 20. Jahrhundert hinein sollten kostbare Materialien den Ideen der Künstler*innen Gestalt und Glanz verleihen. Mit Beginn der Moderne wurde das Spektrum kunstwürdiger Materialien aufgebrochen und in den neuen Kunstformen der Collage und Montage um Alltagsmaterialien aller Art erweitert.

Die Neoavantgarden der 1960er- und 1970er-Jahre griffen diese Bemühungen auf und radikalisierten sie. In der Gegenwart sind den Künstler*innen in der Wahl des Materials keine Grenzen mehr gesetzt. Die Ausstellung lädt ein, die Vielfalt des künstlerischen Materials zu entdecken, von der Moderne bis zur Gegenwart: von Alabaster, Bronze und Marmor bis hin zu Fett, Schwefel, Wurst und Zement. Die Präsentation vereint Hauptwerke der Sammlung, darunter Arbeiten von Joseph Beuys, Dieter Roth, Niki de Saint Phalle, Daniel Spoerri, Alice Musiol und Berenice Güttler. Kuratorin: Katrin Kolk

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation.

Arman, C'est le piston qui fait la machine, 1960, Sprengel Museum Hannover, Foto: Herling/Herling/Werner, Sprengel Museum Hannover, © VG Bild-Kunst, Bonn, 2019


„Je merz desto besser!“ (K. Schwitters 1947)

Ein Buch zur Merzkunst

Kurt Schwitters (Hannover 1887–1948 Kendal/England) zählt als bildender Künstler wie als Autor zu den einflussreichsten Protagonisten der europäischen Avantgarden. 1919 bestimmte er die Silbe „Merz“ zur Wortmarke seiner Ein-Mann-Bewegung.

Der „Merzkunst“ hat Isabel Schulz, Leiterin des Kurt Schwitters Archivs im Sprengel Museum Hannover und ausgewiesene Kennerin der Materie, nun eine einführende Monografie gewidmet.

Das handliche, optisch ansprechende Buch ist so wenig „kunsthistorisch“ geschrieben, daß es eine breite, kunstinteressierte Leserschaft anspricht. Es schöpft aus dem reichen Bestand des aktuell erforschten Künstlernachlasses und bietet auf der Basis neuester Forschungsergebnisse einen kompakten Überblick über sämtliche Bereiche von Schwitters‘ breit gefächertem Schaffen nach 1918.

Schwitters gehörte zu den internationalen Künstlern, die zwischen den beiden Weltkriegen nach neuen, zeitgemäßen Ausdrucksformen in allen Bereichen der Gestaltung suchten. Mit seiner Merzkunst, die aus kunstfremden Materialien komponiert ist, hat er einen besonderen und einflussreichen Beitrag dazu geleistet. Das Buch stellt die wichtigsten Werke seines bildnerischen, literarischen und typografischen Schaffens vor. 

Kurt Schwitters. Merzkunst, 132 Seiten, 80 Abbildungen, gestaltet von der vielfach ausgezeichneten Grafikerin Marion Blomeyer. Verlag Klinkhardt & Biermann (dt.), Hirmer Verlag (engl.), je 14,90 Euro. Erhältlich im Buchhandel und bei Öffnung des Hauses an der Museumskasse. Die Publikation wurde ermöglicht durch die Kurt und Ernst Schwitters Stiftung und das Sprengel Museum Hannover.

Ute Micha, Presse Dienst Nord/Sigrid Lappe, Hannover Woche

28.03.2020


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