Sprengel Museum Hannover - Kurt-Schwitters-Platz

Telefon (0511) 168 - 4 38 75, E-Mail: Sprengel-Museum@Hannover-Stadt.de.  

Öffnungszeiten: Montag geschlossen, Dienstag 10 - 20 Uhr, Mittwoch bis Sonntag 10 - 18 Uhr.

Eintrittspreise: Sammlung des Museums und Sonderausstellungen 7 Euro, ermäßigt 4 Euro, freier Eintritt für Kinder bis 12 Jahre,  freitags freier Eintritt. Führungen und Sonderveranstaltungen (sofern nicht anders angegeben) zzgl. 1 Euro. Gruppen ab 10 Personen: 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro. Jahreskarte (Sammlung und Sonderausstellung): 35 Euro, ermäßigt 20 Euro.


Veranstaltungen im Museum siehe Tipps + Termine / HANNOVER UND DER NORDEN


Das ist das Museum

Das Sprengel Museum Hannover zählt mit seiner umfangreichen Sammlung und dem vielfältigen Ausstellungsprogramm zu den bedeutendsten Museen der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.

Den Anfang machte die Schenkung von Schokoladenfabrikant Dr. Bernhard Sprengel: 1969 übergab er seine umfangreiche Sammlung moderner Kunst der Stadt Hannover und unterstützte den Bau des Museums. Eindrucksvolle Akzente setzen wichtige Künstlergruppierungen wie „Die Brücke“, „Der Blaue Reiter“ sowie Stilrichtungen wie der Kubismus und der Surrealismus. Die Sammlung umfasst bedeutende Werkgruppen u. a. von Pablo Picasso, Fernand Léger, Max Beckmann, Max Ernst, Paul Klee, Emil Nolde, und Kurt Schwitters.

Niki de Saint Phalle, die durch ihre Nana-Skulpturen bekannt geworden ist, bereichert das Museum durch ihre Schenkung im Jahr 2000. Mit über 400 Werken sind alle wesentlichen Schaffensphasen der „Jahrhundertkünstlerin“ vertreten, darunter Assemblagen, Schießbilder, Skulpturen und Zeichnungen. Eine Attraktion sind die von Künstlern gestalteten Räumen, wie die Rekonstruktion des legendären Merzbaus von Kurt Schwitters und die Lichträume von James Turrell. In den vergangenen 30 Jahren ist der Bestand des Museums um wesentliche Werke wie z. Bsp. von Andy Warhol, Alexander Calder, Gerhard Richter und Sigmar Polke. Darüber hinaus stellt die Fotografie einen wesentlichen Sammlungsschwerpunkt dar.


AUSSTELLUNGEN - AKTIONEN


Die junge hannoversche Kunstszene ist zu allen Schandtaten bereit

Im Sprengel Museum können junge Künstler zeigen, was sie können

Die Einblickshalle im Sprengel Museum wird zur Kunstschmiede junger, unkonventioneller Künstler. Jetzt haben die Kultur-Profis das Heft in die Hand genommen. Im „Gemeinschafts-Atelier" entwickeln unter anderem Mode- und Grafikdesigner, Graffiti-Sprüher, Video- und Lichtkünstler, Möbelbauer und Fotografen ihre Objekte und können sich austoben.

Die unterschiedlichsten Ideen, die dann zu einer gemeinsamen Installation zusammengefügt werden, faszinieren. Der Name dieses Projekts heißt „Generator“ -  und der wird ohne wenn und aber angeworfen!

Mel Wilken tobt sich auf der „Comic-Schiene“ aus. Foto S. Lappe

Der Clou daran: Besucher des Museums können die Künstler bis September kostenlos bei ihrer Arbeit zusehen, über Ideen sprechen und an Workshops teilnehmen. Die Idee ist aus einer Kooperation von dem Museum und dem Kulturbüro der Stadt entstanden.

Ute Micha, Presse Dienst Nord/Sigrid Lappe, Hannover Woche

Veröffentlicht 06.08.2019


Und es ward Licht! Ein Museum besinnt sich auf seine Elementarteile

Ausstellung Grundbausteine des Sprengel Museum und seiner Kunst

Zu seinem 40-jährigen Jubiläum präsentiert das Sprengel Museum die Ausstellung „Elementarteile“. Die Themen ergeben sich aus den Fragestellungen der Ausstellungsmacher: Was sind die Kernbestandteile der Institution? Was ist Kunst und woraus besteht Kunst? Worauf bezieht sie sich und wovon handelt sie? In zehn unglaublich informativen wie herausfordernden Themenräumen befragt sich das Museum als Institution und seine Sammlung nach grundlegenden Fragen: Welche Rolle spielt die Farbe als ein Grundbausteine in der Kunst, welche Materialien nutzen die Künstler*innen und nach welchen Form- und Gestaltungsprinzipien agieren sie? Auf welche Wirklichkeit(en) beziehen sich Werke zwischen Konzeptkunst, Abstraktion und Figuration? Welche Inhalte spielen dabei eine Rolle, welche Geschichten werden erzählt, wie spiegelt sich Geschichte in der Kunst?

Joseph Beys, Capri-Batterie, 1985, Multiple gelbe Glühbirne mit Steckfassung in Holzkiste, Zitronr5,5 cm (Glühbirne), Sprengel Museum, Foto: Herling/Herling/Werner, Sprengel Museum, Hannover, ©VG Bild-Kunst, Bonn 2019

 „Elementarteile“ lässt mehr als 150 Werke aus dem 20. Jahrhundert und der Gegenwartskunst aufeinandertreffen und zeigt ein beeindruckend breites Spektrum von Ausdrucksmöglichkeiten in Malerei, Skulptur, Grafik, Fotografie und Film von Künstler*innen wie Max Beckmann, Louise Bourgeois, Grethe Jürgens, Niki de Saint Phalle, Pablo Picasso und Gerhard Richter.

Da fehlt einfach nichts und niemand, und man kann nur sagen: Es ward Licht!

Ausstellung bis 31. Dezember 2021

Bruce Nauman, Double Slap in the Face, 1985 © Foto: Herling / Herling / Werner, Sprengel Museum Hannover

Ute Micha, Presse Dienst Nord/Sigrid Lappe, Hannover Woche

Veröffentlicht 15.04.2019


Was geht da ab?

Alice Aycocks Skulpturen und Installationen wirbeln vor und im Sprengel Museum

Sie erregt immer wieder Aufsehen, die Skulptur „Another Twister“ von Alice Aycocks, die vor dem Haupteingang des Sprengel Museums steht und für Wirbel sorgt. Die Skulptur ist bekannt, die Schöpferin von „Another Twister“ eher weniger. Das soll sich jetzt ändern: das Museum eröffnete eine  groß angelegte Retrospektive der Künstlerin - und auch da geht es recht turbulent zu!

Als vor vier Jahren das Sprengel Museum seinen Anbau bekam, sollte natürlich der Eingangsbereich des Museums aufgewertet und Museumsdirektor Reinhard Spieler suchte nach „einem starken Zeichen für die Gegenwart und die Zukunft des Museums“.

Seitdem geht es vor dem Eingang des Museum turbulent zu. Über die Stufen tost ein gerade frisch geputzter weißer Wirbelwind.

Die Künstlerin erklärt ihren Wirbelwind und wie sich immer wieder Natur in ihren Werken findet. Foto Sigrid Lappe

Es ist „faszinierend und erschreckend zugleich“: Die New Yorker-Künstlerin erinnert sich an die Wirbelstürme ihrer Kindheit und die Wechselbeziehungen zwischen Ästhetik und Gefahr. Sie spielen hier eine wiederkehrende Rolle.

Im Sprengel Museum ist noch viel mehr Kunst von Alice Aycock zu sehen. Das Museum widmet ihr eine Ausstellung, die fast 50 Jahre umfasst: Kunstwerke von 1971 bis 2019 werden hier in der großen Wechselausstellung gezeigt.

„The Riddle of the Flying Saucer #1“, 2015/2017, Edition 2 von 3 + 1AP / Edition 1 of 3 + 1AP, Aluminium. Collection of the artist, courtesy Marlborough Gallery, New York. Foto/Photo: Erin Davis, Marlborough Gallery, New York © Alice Aycock, 2019

Die Schau macht deutlich: Aycock ist eine großartige Künstlerin, die nach dem Großen und dem Kleinen fragt. Sie versucht der Natur geheime Bilder abzuluchsen und zeigt, was gute Kunst immer zeigt: den Wandel. Und dass der Mensch nicht so groß ist, wie er sich gern selber sieht. Und empfindet sie sich als politische Künstlerin? „Ich will eher den Blick des Betrachters öffnen. Natürlich sehe ich dabei die Probleme wie den Klimawandel, und ich glaube auch, dass die Strukturen allgemein heutzutage so komplex sind, dass jede Veränderung extreme Auswirkungen haben kann.“ Die Kunst von Aycocks berührt, und wie ein Wirbelsturm zieht sie die Betrachter mit sich. Ihr geht es nicht um Effekte, sondern um eine Art Poesie, die sich dahinter öffnet.

Model for Project for Roanoka College, Salem, Virgina, „The Solar Wind“, 1984. Messing, Neon, Aluminium, Draht, motorbetriebene Teile, Plastik, Stahlplatte / Brass, neon, aluminium, wire, motorizedparts, plastic, steelbase. Collection of the artist, Foto: Dave Rittinger © Alice Aycock, 2019

Ausstellung Alice Aycock: „Selected Works 1971-2019", 8. Juni bis 25. August im Sprengel Museum, Katalog: 25 Euro.

Ute Micha, Presse Dienst Nord/Sigrid Lappe, Hannover Woche

Veröffentlicht 08.06.2019


Merz steht allen offen, den Idioten wie den Genies

Sprengel Museum präsentiert crossmediale Ausstellung „100 Jahre Merz“

Von Kurt Schwitters und anderen in der Ausstellung bis zum 6. Oktober

Ja, für 100 Jahre sollte man sich einmal so richtig Zeit nehmen: Nicht ganz vier Monate lang wird die Ausstellung „100 Jahre Merz" im Sprengel Museum zu sehen sein.

Kurt Schwitters schnitt in Hannover 1919 die Silbe „Merz“ aus einer „Kommerz und Privatbank“ Reklame heraus, und begründete damit ein Lebenswerk, was bis heute nachhallt: in Forschung, bildender Kunst sowie im Alltag. Und mitten drin: Das Wort „Merz“ - gemeint als Slogan, Witz, Unsinn, Neuanfang und sogar Symbol einer ganz eigenen dadaistischen Ein-Mann-Show der Modene darauf aus, die Kunst nach dem ersten Weltkrieg komplett neu zu ordnen.

Und  „Merz“ feiert, ebenso wie das Bauhaus, in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag.

Vom 29. Mai bis zum 6. Oktober wird gefeiert. Eine crossmediale, hochkarätige Ausstellung ist ganz im Kosmos Schwitters angelegt, mit fast 200 Werken, die zum großen Teil aus dem Sprengel-Archiv stammen. „Was wir in Hannover für eine Sammlung haben, ist schon ganz Besonders", sagte Kuratorin Isabel Schulz. Und „solch eine Ausstellung hätte mit Leihgaben Millionen von Euro gekostet." Mit Kollegin Katrin Kolk hat Schulz die Ausstellung erarbeitet und zusammengestellt.

Thematische Ausgangspunkte wurden nach Schwitters Merz-Zeitschriften verwendet, die schon in den 20er Jahren unregelmäßig erschienen und in der globalen Avantgarde zu der Zeit hohe Wellen schlug.

Denn Dadaismus hieß reine Provokation des Bürgertums und die Überraschung aller Erwartungen übertraf - etwa für die hannoverschen Bürger, die dann 1920 eines morgens an den Litfaßsäulen  der Stadt  „An Anna Blume“ geklebt sahen. Und wie man sich vorstellen kann, der Skandal um das Gedicht ging durch die Gazetten, der Name Schwitters war von da an präsent!

Zu einer späteren Zeit, als Schwitters auf einer Lesereise durch die Niederlande das Publikum wie ein Hund anbellte, fielen die Zuhörer reihenweise in Ohnmacht, bei Lesungen seiner Lautgedichte wurde dann die Bühne auch regelmäßig von verärgerten Besuchern gestürmt.

Seine Strahlkraft rekonstruiert die Ausstellung mit Filmaufnahmen, Zeitschriften und Gemälden, die fast allesamt einen Platz in der Dauerausstellung verdient hätten. Und unter den vielen Schätzen befinden sich auch drei berühmte Märchen, für die Schwitters die Texte schrieb und Käthe Steinitz die Illustrationen fertigte.

Und das Janusgesicht ist das Faszinierende an dem Künstler. Er war Avantgardist und Traditionalist zugleich, gesegnet mit einer gestalterischen Kraft, die in alle möglichen Betätigungsfelder heineinströmten. Und er war ein Meister der künstlerischen Collage, in der die politischen und moralischen Erschütterungen seiner Zeit schon sichtbar werden. Er war ein Meister von komerzieller Bild-und Textgestaltung.

Mit dieser Gabe überzeugte er hannoversche Unternehmen wie etwa die Firma Pelikan von seinen fantastischen werblichen Fähigkeiten. Schwitters, 1887 in Hannover geboren, von den Nazis aus Deutschland vertrieben und 1948 im englischen Exil gestorbenen Künstler verspottete der dadaistische Schriftsteller Richard Huelsenbeck einmal als „Genie im Bratenrock“.

Anders als die Dadaisten in New York, Berlin oder Zürich war Schwitters nicht nur destruktivistisch tätig, was die Ausstellungmit Querverweisen auf Pablo Picasso, Paul Klee und George Braque auch zeigt: Und wie die Konstruktivisten wollte Schwitters eine völlig neue Kunst entwerfen, anstatt die veraltete nur zu zerstören.

Die Ausstellung widmet sich nicht nur dem „Säulenheiligen des Museums“, wie Sprengel Direktor Reinhard Spieler Schwitters nennt, sondern auch der generellen Frage, welche Themen die europäischen Künstler nach dem ersten Weltkrieg bewegt haben.

Und Parallelen zu dem heute lassen sich leicht ziehen: Kurt Schwitters arbeitete schon damals multimedial mit Ton, Bild, Schrift und Skulptur. Denn seine Collagen zeigen deutlich die Kraft des Upcyclings, die aus dem Müll der Konsumgesellschaft neue Kunstwerke präsentiert. "Merz ist ein Standpunkt, den jeder benutzen kann", sagte Schwitters über sein Lebenswerk. Und gleichzeitig bezeichnete er die Merzkunst als "absolut individuellen Hut, der nur auf einen einzigen Kopf passte" - natürlich auf seinen eigenen.

Und er sagte: Merz steht allen offen, dem Idioten wie den Genies!

Kuratorinnen-Gespräch:

mit Isabel Schulz Di., 6.8., 18.30 Uhr mit Katrin Kolk

Ein bunter Abend rund um das Merzgedicht

Di., 10.9.: Peter Struck: Anna Blume, unverblüht.

Weitere Info: „100 Jahre Merz, Kurt Schwitters, Crossmedia“.

Ausstellung bis zum 6. Oktober 2019.

Zugleich wird der vierte Band der Schwitters-Edition in Buchform und als frei zugängliche Onlineausgabe vorgestellt.

Ute Micha, Presse Dienst Nord/Sigrid Lappe, Hannover Woche

Veröffentlicht 25.05.2019


Das Sprengel Museum gewährt Einblick im Depot auf neue Trends

„Gezielte Setzungen - Übermalte Fotografie in der zeitgenössichen Kunst“ und „Kunstlandschaft - Naturwelten in der Kunst seit 1950“

Um Fotos zu verändern, muss man nicht unbedingt digitale Filter und entsprechende Bearbeitungsprogramme nutzen.

Hier gibt der künstlerische Zugriff ganz andere und deutlich erweiterte Möglichkeiten, wie die Ausstellung „Gezielte Setzungen – Übermalte Fotografie in derzeitgenössichen Kunst“ im Sprengel Museum verdeutlicht.

Hier ist eine Ausstellung über analoge Foto-Kunst und Kunst-Fotos im digitalen Zeitalter zu bewundern: Sechs Künstlerinnen und Künstler wie Bildhauer und Maler, hatten kein Vertrauen mehr in die Übermittlung von einmal gefundenen und einmal selbst gemachten Fotos. Kurzerhand veränderten sie die mit Pinsel, Messer und Farbe.

Florian Merkel zum Beispiel bediente sich mit Eiweißlasurfarbe und Silbergelantinebaryt und vertiefte den Ausdrucksgehalt und die Nahaufnahmen zu pop-artigen Hybridgemälden.  

Helen Feifel, Stage I, 2018, Übermalte Fotografie, 186 x 138 cm © Helen Feifel

Das funktioniert auch in die andere Richtung, wenn etwa Peter Klare mit Gouache seine analogen Schnappschüsse aus fahrenden Autos beruhigt, weil er wichtige Bildelemente hinter einen grauen Schleiereinfach verschwinden lässt - das erinnert an den digitalen Korrekturstift, mit dem Pixel verwischt werden.

Sabine Jung arbeitet überwiegend mit Fotografien, die sie irgendwo gefunden hat - es sind meist schwarzweiße Frauenporträts. Sie bedient sich einer schminknahen Übermalung von Lippen, Wimpern und Augen aber auch Fragen nach Gender und unserem Schönheitsideal.

Und dass man seine Bildweiten vorher auch selbst inszenieren  kann, zeigt Helen Feifel, eine innovative Bildhauerin, die Bühnenarrangements oder Tanzposen erst dann fotografiert, wenn diese reizvoll kostümiert übermalt wurden.

Ausstellung bis zum 20. Oktober

 

Mit Natur und Landschaft in unterschiedlichen Strategien auseinandersetzen

Die zweite Sprengel-Schau greift ins Depot und zeigt aus eigener Sammlung Bilder, die vereint nicht ganz zwingend unter dem Titel „Kunstlandschaft - Naturwelten in der Kunst seit 1950“ zu sehen sind. Hier wird sich mit Natur und Landschaft auseinandergesetzt in unterschiedlichen Strategien.

Bei Timm Ulrichs passiert das auf bewährt hintersinnige Weise wie bei seinem „Getarnten Bild“ - wo ein Camouflage-Vorhang  eine schwarzweiße Landschaftsaufnahme zur Häfte verdeckt. Dann geht es weiter zu großartigen Fotos von Heinrich Riebesehl aus seiner Serie „Agrarlandschaften“ – er stellt die durchgreifende Rationalisierung  der Natur dar, kaum einer hat sie schonungsloser eingefangen. Dazu passt der Siebdruck „Wachstum“ von Janos Nadasdy, der einen flammenden Schlot auf einer bonbongrünen Wiese zeigt - bereits 1975!

Blume [Tulpe], aus der 66-teiligen Reihe „Dinge“ (Teil 39), 2013 © Foto: Herling / Herling / Werner, Sprengel Museum Hannover © Claus Goedicke

Zu sehen sind auch Arbeiten von Grethe Jürgens, von Franz Gertsch bis Martha Rosler alles, was fotografische und malerische Bildfolgen zum Thema aufweist. 

Eine sehr schöne Ausstellung, die wohltuend für Augen und Seele ist.

Ausstellung bis zum 1. September.

Ute Micha, Presse Dienst Nord/Sigrid Lappe, Hannover Woche

Veröffentlicht 03.07.2019 


Verfemt – Gehandelt. Die Sammlung Doebbeke im Zwielich

Detektivische Arbeit der Provenienzforschung dokumentiert

Woher stammen die Bildwerke in der Sammlung des Sprengel Museums? Wer waren ihre ehemaligen Eigentümer? Die Ausstellung "Verfemt – Gehandelt" wird 20 Jahre nach Unterzeichnung der Washington Principles die detektivische Arbeit der Provenienzforschung beleuchten und Einblick in die Ergebnisse und Sammlungsgeschichte geben.

Anhand von rund 60 Werken werden Handelswege und vormalige Eigentumsverhältnisse aus der Zeit des Nationalsozialismus und nach 1945 beleuchtet, als die Museen der Stadt Hannover ihre durch die Aktion ‚Entartete Kunst‘ 1937 und Kriegseinwirkungen geplünderten Sammlungen mit Neuankäufen wieder ergänzten. Fragen der Herkunft wurden seinerzeit nicht nachdrücklich verfolgt. Die Ausstellung will Schicksale von während des Nationalsozialismus entrechteten jüdischen Opfern in den Blick nehmen, die durch die nationalsozialistischen Gesetzgebungen verfolgt, in die Emigration getrieben oder deportiert und ermordeten wurden.

Ernst Ludwig Kirchner "Musikzimmer II", 1915/1920, Öl auf Leinwand, 121,5 x 91,3 cm Sprengel Museum, Kunstbesitz der Landeshauptstadt Hannover. Foto: Herling/Herling/Werner, Sprengel Museum 
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Forschungen zu dem bislang unbekannten Sammler, dem Berliner Immobilienhändler Dr. Conrad Doebbeke (1889 – 1954), Allein 1949 hat Hannover 114 Werke gekauft, darunter auch vormals verfemte Künstler wie Kirchner, Nolde, Klee, Rohlfs, Liebermann, Corinth und Slevogt. Bei diesem von Ferdinand Stuttmann, dem damaligen Direktor des Landesmuseums, vermittelten Kauf stammten alle Werke von Conrad Doebbeke, bei keinem Werk wurde ein Herkunftsnachweis verlangt.
Auf die Spuren hat sich Kuratorin Annette Baumann mit unglaublicher Akrebie begeben – und sie sieht noch viel Forschungsbedarf!

Ausstellung bis 17. November.


Videokunst bis 5. Januar 2020

 Bjørn Melhus. SPECTRAL AFTERLIVES

In seiner langjährigen künstlerischen Praxis hat Bjørn Melhus innerhalb der Videokunst eine singuläre Position entwickelt, die insbesondere die Möglichkeiten der Kino- und Fernsehrezeption erweitert. In seinen zumeist narrativen Filmen, Videos und Installationen rekontextualisiert er durch die Aufsplitterung von Bild- und Tonebene bekannte Motive, Themen und Strategien der Massenmedien. Seine multiplen, oft auch tragikomischen Rollenspiele legen Mechanismen der  Kommerzialisierung offen und rebellieren gegen Simplifizierung sowie globale kulturelle Vereinheitlichung.

Bjørn Melhus „The End Time“, 2019. 4-Kanal-Videoinstallation, ca. 7 Min,, Loop. VG Bild-Kunst, Bonn, 2019

Gezeigt werden frühe Arbeiten, u. a. „Das Zauberglas“ (1991), „Blue Moon“ (1997-1998) und „Auto Center Drive“ (2003) sowie die neue Videoinstallation „The End Time“, die zur Ausstellung entstanden ist und als Weltpremiere im Sprengel Museum Hannover präsentiert wird.

Melhus studierte in den 1990er-Jahren an der HBK Braunschweig und erhielt 2001 den Sprengel-Preis der Niedersächsischen Sparkassenstiftung. Seit 2003 lehrt er als Professor für Bildende Kunst / Virtuelle Realitäten an der Kunsthochschule in Kassel.

 Anlass der Ausstellung ist das Erscheinen des 74. Bandes der von der Stiftung Niedersachsen herausgegebenen Reihe „Kunst der Gegenwart aus Niedersachsen“. Die Ausstellung findet in Kooperation mit der Stiftung Niedersachsen statt.


Veranstaltungen im Sprengel Museum

sprengel-museum.de/kuenstlervermittungen__veranstaltungen

25. August, 10 - 18 Uhr: VORWÄRTS NACH SPRENGEL!  - 40 JAHRE SPRENGEL MUSEUM HANNOVER, 50 JAHRE SCHENKUNG SPRENGEL. Eintritt frei mit einem Programm von Lesungen, Konzerten, Führungen, WerkstattAtelier und vielem mehr…

3. September, 18.30 Uhr: Performance Laotse und Schwitters. Eine besondere Begegnung“. Eine Sprachperformance mit Joachim Heintz

5. September, 12 Uhr: 20-Minuten-Konzert. Ein Musiker. Ein Kunstwerk. Eine Musikerin oder ein Musiker präsentiert die persönliche Interpretation eines ausgewählten Bildes.

8. September, 11.15 Uhr: Konzertmatinee „2. Übung im zugewandten Zweifeln“ mit dem Ensemble Megaphon und ensemble reflexion K .

Werke von Gerald Eckert, Luigi Nono, Snežana Nešić,  Helena Tulve; Andre Bartetzki, Live-Elektronik und Klangregie. In Kooperation mit Musik 21 Niedersachsen, Eintritt: 15, erm. 10 € (Abendkasse).

Ensemble Megaphon. Foto hannover.de

10. September, 18.30 Uhr: Anna Blume, unverblümt. Ein bunter Abend rund um das Merzgedicht 1, von und mit Peter Struck (Foto r.).

13. September, 15 Uhr: Dein persönliches Notfallkonzert Wohin mit den Sorgen?“.  Die kleinen und größeren Notfälle behandelt Das Quartett im Treppenhaus mit einer individuellen Klassik-Infusion. Eintritt frei

Fr. 20. September, 19 Uhr: Eröffnung Fiona Tan. „SPECTRUM“ Internationaler Preis für Fotografie der Stiftung Niedersachsen. Begrüßung: Reinhard Spieler, Direktor des Sprengel Museums, Grußworte: Lavinia Francke, Generalsekretärin der Stiftung Niedersachsen, Laudatio: Martin Hochleitner, Direktor Museum Salzburg, Einführung: Stefan Gronert, Kurator der Ausstellung, anschließend Preisübergabe.

Der SPECTRUM – Preis wird 2019 an die 1966 in Pekanbaru (Indonesien) geborene, heute in Amsterdam lebende Fotografin und Medienkünstlerin Fiona Tan verliehen. Bei der Entscheidung für Fiona Tan reagierte die internationale Jury auf ihren differenzierten Einsatz der Fotografie in einem sehr umfassenden Sinn, unter Berücksichtigung des Phänomens Zeit und an der Schnittstelle zum Medium Film. Ausschlaggebend war zudem Tans souveräner installativer Umgang mit dem Medium. Der Preis würdigt damit auch die ästhetische Intelligenz des Displays von Fotografie, für deren Geschichte Fiona Tan seit zwei Jahrzehnten Beiträge von höchster Exzellenz leistet. Die Ausstellung präsentiert rd. 200 Werke.

Nele/Nellie, 2013, HD Installation © Courtesy the artist and Frith Street Gallery, London


SKULPTUREN Sehen Zeichnen Entdecken

Die Besucherinnen und Besucher – kleine und große – sind eingeladen, mit Papier und Bleistift Skulpturen des 20. Jahrhunderts aus der Sammlung des Sprengel Museum Hannover zeichnerisch zu entdecken. Das Museum wird in einem Sammlungsraum des Erweiterungsbaus zu einem Ort des Anschauens und „Sich-Zeit-nehmens“, des aktiven Verweilens und eines „entschleunigten Blicks“.

Die durchschnittliche Betrachtungsdauer eines Kunstwerks liegt bei 11 bis 20 Sekunden, – das sind 3 bis 4 Atemzüge, oder die Dauer des Klicks auf den Auslöser der Kamera des Handys. Um dieses ästhetische Erleben zu verlangsamen und das Sehen zu intensivieren kann man in dem Ausstellungsraum Platz nehmen und sich an einem Zeichentisch den Kunstwerken annähern.

 Als ein "Gegenüber" werden Skulpturen von Jacques Lipchitz, Aristide Maillol, Julio Gonzales, Henri Laurens, Man Ray, Marini Marino, Barbara Hepworth, Lynn Chadwick und A. R. Penk präsentiert.

Juloi Gonzáles "Don Qiuichotte", 1929, Eisen 43,7 x 12 x 6,5 cm, Kunstbesitz der Stadt Hannover, Sprengel Museum Hannover. Foto: Herling/Herling/Werner, Sprengel Museum


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