Sprengel Museum

Unter dem „Slogan 130% Sprengel“ hat das Museum noch richtig was zu bieten

Sprengel-Direktor Reinhard Spieler  setzt  auf  große Ausstellungen, möchte  aber auch mit kleineren und feineren Exponaten punkten. Das Museum bietet auch ein vielfältiges Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm.  

Sprengel Museum zeigt Nachlass von Sascha Weidner

Es ist einfach ergreifend, mit wie viel Feingefühl der Fotograf Sascha Weidner die Abendstimmung eingefangen hat. Dem Betrachter bietet sich ein blattloser Baum im herbstlich goldenen Gegenlicht. Das ist einfach nur Romantik pur, besser geht es nicht!

Der Künstler hat seine Bilder weder  gezeichnet noch gemalt – für ihn war die Kamera Pinsel, Farbe und Leinwand zugleich. Mit der Ausstellung im Sprengel Museum wird deutlich, über welche enorme Bandbreite Weidner verfügte. Überraschend erlag der Fotograf 2015 mit nur 41 Jahren einem Herzinfarkt. Die überzeugende und großzügige Hängung, in dessen Fotosälen die Werke zu besichtigen sind, beeindrucken und hier und da bekommt der Besucher eine leise Gänsehaut. Die Ausstellung trägt den Untertitel „Nachlasssichtung I“.

Sascha Weidner Caché II 2010 Digital Fine Art Print 110 × 110 cm, Sammlung Niedersächsische Sparkassenstiftung / Sprengel Museum Hannover © The Estate of Artist Sascha Weidner

120 seiner Werke wurden von der Fotokuratorin Inka Schube ausgewählt, die zeigen, dass auch in dieser Fotografie alles miteinander zusammenpasst. Weil die Fotokunst von Sascha Weidner durch eine radikale Subjektivität einen kleinsten gemeinsamen Nenner hat.

Sein Nachlass, insgesamt neun Kubikmeter in Kisten und Kasten verpackt, harrt der Dinge, die da kommen sollen. Erst 200 seiner Fotografien sind bisher dokumentiert.

Weidner nannte sich selbst einen “rastlos suchenden Romantiker“. Seine Bilder zeigen verrätselte Selbstporträts in unverkennbaren Landschaften oder auf dem Boden liegend mit einem Reh. So gibt es Nahaufnahmen, eines von blauen Adern durchzogenen Hauses („Amazonas“). Weidners Blick geht bis ins Unterholz niedersächsischer Wälder und dann hoch oben über das nächtliche Los Angeles

Doch eine seiner schönsten Arbeiten ist ein riesiges Motiv namens „Hanami“ (Kirschblüte), das aus 25 Exemplaren des Künstlerbuches gleichen Titels besteht. Von Japan war Weidner fasziniert, hier entstanden auch wirklich sehr, sehr eindrucksvolle Fotos, so auch in einem „Selbstmordwald“ am Fuße des Fuji. „Für Sascha Weidner war alles intensiv erlebte Emotion“, sagt Inka Schube, die bereits vor mehr als zehn Jahren auf den Fotokünstler aufmerksam wurde. Da hatte Weidner gerade sein Kunststudium an der HBK Braunschweig als Meisterschüler von Dörte Eißfeldt abgeschlossen. Eißfeldt ist dafür bekannt, dass ihr der authentische  Ausdruck subjektiver Innenwelten wichtiger ist als die Abbildung wie auch immer geartet objektiver Außenwelten.

Für Sprengel-Direktor Reinhard Spieler ist der Nachlass „ein herausragendes Werk, das auch zeigt, dass wir als Haus für Fotografen interessant sind“. Allerdings sei die Annahme des Weidner-Nachlasses eine „absolute Ausnahme“, so Inka Schube, die allein in der besonderen Qualität der Objekte begründet liegt.

So hat der Künstler bestimmte Motive in einem Kunststoff eingegossen, dessen Zusammensetzung völlig unbekannt ist – was man aber wissen muss, um mit den Werken konservatorisch korrekt umgehen zu können. Hier arbeitet das Sprengel Museum mit einem Schweizer Institut zusammen.

Sascha Weidner Reh II 2013 Digital Fine Art Print 53 x 45 cm, Sprengel Museum Hannover, Schenkung Ole A. H. Truderung  © The Estate of Artist Sascha Weidner

Die Ausstellung ist bis zum 19. November zu sehen.

Das  Weidner-Buch „The Far Flowered Shore“ wird am 12. September, 18.30 Uhr,  präsentiert.

 

Die nächste Fotoausstellung zeigt die Werke von Jochen Lempert: Der Biologe und Fotograf und setzt seine Berufe in einen verblüffenden Bildkosmos (29. 11. bis 18. 02. 2018).

Der neue Sprengel FOTO-Blog FOTO \ KUNST \ THEORIE bietet eine theoretische Auseinandersetzung im Spannungsbereich von Fotografie und Kunst - und das ist im deutschsprachigen Raum einmalig (www.foto-kunst-theorie)

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe