„Ein sanfter Riese“ der Jungen Oper begeistert Kinder und Erwachsene

Erzählt wird hier eine Geschichte über Ausgrenzung, Vorurteile und Toleranz

Keine Grund zur Angst vor großen Menschen: Er sieht schon ein bisschen sehr wild und mächtig aus – seine Haare sind strubbelig mit total zerfetzten Kleidern am Leib, aber mit total wachen und klugen Augen. Sein Zuhause ist die Insel im silbernen See, dort lebt der Riese ganz allein im Einklang mit der Natur. Allerdings für die Menschen im Fischerdorf, nahe seiner Insel ist der Einsiedler an allem, was geschieht schuld! Vor allem an ihren Nöten und Elend.

Die Junge Oper bringt den Einakter „Ein sanfter Riese“ von Stephen McNeff mit dem Libretto von Mike Kenny und nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Michael Morpurgo, Kindern und Erwachsenen nahe.

Es geht um die junge Miranda (Tina Marie Herbert, Sopran), die sich nicht mit den recht einfachen Antworten ihres Vaters (Hyun-Joong Kim, Tenor) zufrieden geben will. Antworten bekommt sie, als der Riese (Gihoon Kim, Bariton) sie vor dem Ertrinken rettet und auf seine Insel bringt.

Marlene Gaßner, Hyun-Joong Kim, Yannick Spanier, Tina Marie Herbert in "Ein sanfter Riese" Thomas M. Jauk

Einfach zauberhaft, wie sich die beiden annähern. „Du stinkst!“, singt Miranda, aber als sie sieht, wie die Schwäne ihm blind vertrauen, erkennt sie seine liebevolle Art. Als der Riese Miranda gesund wieder nach Hause bringt, prallt ihm eine Welle der Ablehnung entgegen. Und dann kommt ein großer Sturm, der das ganze Dorf verwüstet, und auch noch den See verschleimt. Die Dorfbewohner können nun gar nicht mehr fischen – doch der „sanfte Riese“ hat eine brillante Idee…

Feinsinnig sind Inszenierung (Markus Michael Tschubert), Kostüme(Veronika Kaleja) und Ausstattung (Magdalene Wiesauer), und wunderbar die live gespielte Musik von fünf Musikern des Niedersächsischen Staatsorchesters. Zur Premiere war auch Stephen McNeff anwesend. Alle Akteure, waren einfach klasse. Fesselnd ihre Duette, Quartette, die Arien – wobei jede Rolle auch mal die rezitative Erzählung übernimmt.

Tina Marie Herbert als Miranda ist einfach umwerfend, schön und mit viel Gefühlt singt sie ihre Arie…kein Grund zur Angst!“. Marlene Gaßner (Mezzosopran) singt und spielt den cleveren Sternstaubverkäufer, und Hyun-Joong und Yannick Spanier (Bass) beeindrucken gleichermaßen mit starken Stimmen und Schauspiel.

Die Musik mit Harfe, Querflöte, Violoncello, Trommeln, Glockenspiel und Perkussion ist sehr lebendig, modern und äußerst melodisch, dramatisch und zu jeder Zeit spannungsvoll. Nach rund 90Minuten mit einer Pause, gibt es zum Ende der Vorstellung begeisterten Applaus. Schlicht weg gesagt, ein Erlebnis für alle.

Ab sechs Jahren, zu sehen ist „Ein sanfter Riese“ an mehreren Tagen im April, Mai und Juni.

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe 


Das Wohnzimmer meines Lehrers

Zweisprachiger Theaterabend mit Mathias Max Herrmann ab 15. April in Cumberland

Nach dem Stück „Abrahams Kinder. Eine Reise nach Jerusalem“ von Svein Tindberg mit Rainer Frank, setzt das Schauspiel Hannover die auf persönlichen Erlebnissen eines Schauspielers beruhende Beschäftigung mit politischen Themen in dieser Spielzeit fort. Mathias Max Herrmann, ebenfalls Ensemblemitglied am Schauspiel, setzt sich in „Das Wohnzimmer meines Lehrers in einem Theaterabend in Cumberland mit der Geschichte und der Situation Israels auseinander.

Das Wohnzimmer_filmstill_2a (c) Mathias Max Herrmann

Der mit „Das Betrachten der Welt vom Privaten her“ untertitelte Theaterabend changiert zwischen Live-Performance und Videoinstallation, zwischen Deutsch und Englisch.

Mathias Max Herrmann nahm in den 1980er Jahren Schauspielunterricht bei Yoseph Millo (1917-1997), einer der prägendsten Figuren des israelischen Theaters. Mit seiner Inszenierung von „He walked through the fields“ trug Millo 1948 maßgeblich zur Identitätsbildung des israelischen Volkes bei. Das Stück, das auch verfilmt wurde, brachte ihm Ruhm und Anerkennung auch im eigenen Land. Der junge Schauspielschüler wusste jedoch nichts von der großen Bedeutung seines Lehrers.

Auslöser für die Beschäftigung mit Millo waren die medial permanent präsenten Krisen im Nahen Osten.

Herrmann hat in Vorbereitung auf den Theaterabend mehrere Wochen in Israel Filmaufnahmen gemacht und viele Interviews geführt, die für die Inszenierung eine große Rolle spielen und in diese einfließen werden.


Premiere am 15. April, 20 Uhr, in Cumberland, weitere Vorstellungen: 20. April, 11. und 19. Mai sowie im Juni, Karten 25 € Tel. 0511 9999 1111, unter www.schauspielhannover.de und an den Kassen der Staatstheater.

Hannover Woche, Sigrid Lappe / Presse Dienst Nord, Sigrid Lappe

 


Börsenknüller mit Freikarten

19. Kinderkulturbörse bietet 41 Kindertheaterstücke in 20 Stunden auf vier Bühnen

Am 17. und 18. April haben Kinder von zwei bis zwölf Jahren gemeinsam mit ihren Eltern 20 Stunden Zeit, Theaterluft zu schnuppern. Im Raschplatz-Pavillon treffen sich zur 19. Kinderkulturbörse renommierte Theatergruppen und Kleinkünstler*Innen sowie Fachbesucher*Innen aus ganz Deutschland.

Der Börsenknüller: Noch gibt es in der Mittagszeit und an den Nachmittagen einige Freikarten zu ergattern. Interessierte müssen bis Mittwoch (11. April) um 15 Uhr eine E-Mail an stephanie.kroehnert@hannover-stadt.de senden. Gewinner*Innen werden benachrichtigt.

Das Programm der Kinderkulturbörse: Puppentheater, Objekttheater und Clownstheater, aber auch Kinderkonzerte auch Mischformen der Kunstsparten. Außerdem können die Gäste an den bunten Ausstellungsflächen der Theater mit ihren Figuren und Bühnenbildern entlangschlendern und Theaterrequisiten, Kostümen, Spielfiguren und Walkacts bestaunen.

Ein humorvolles Theaterquiz mit den AusstellerInnen bringt den Kindern den Zugang zum Theater näher. Was zum Beispiel ist das „Off“? Ist das vielleicht der Zustand auf der Bühne ohne Internet? Oder was bedeutet es, wenn man „Toi, Toi, Toi“ sagt? Auf solche Fragen können die Kulturprofis an ihren Ständen den Kindern Antworten geben.

Über die Zusammenstellung des Bühnenprogramms hat eine Jury entschieden.

Als Besucher*Innen angesprochen und eingeladen sind neben den Kindern Kinderkultur-Veranstalter*Innen aus der Kulturszene ganz Deutschlands.

Eintrittspreise: Kinder und ihre erwachsenen Begleiter*Innen vier Euro p. P., mit HannoverAktivPass Eintritt frei.

Karten können unter der E-Mail stephanie.kroehnert@hannover-stadt.de bis Freitag, 13. April, vorbestellt werden.

Hannover Woche, Sigrid Lappe / Presse Dienst Nord, Ute Micha 


Alle zwei Jahre BEST OFF – Festival Freier Theater

Sechs Inszenierungen bekommen insgesamt 65 000 Preisgelder

Aus knapp 40 Bewerbungen hat eine Auswahljury sechs herausragende Inszenierungen für die Teilnahme am Theatertreffen „Best OFF − Festival Freier Theater“ der Stiftung Niedersachsen vom 26. bis 28. April im Kulturzentrum Pavillon in Hannover nominiert.

Inhaltlich setzen sich die Inszenierungen mit den Themen Flucht, Terror, Migration und Heimat auseinander und zeigen eine Vielfalt an Formaten – von einem Audio-Walk im Dunkeln über Theater mit viel Musik bis hin zu zeitgenössischem Tanztheater. Gespielt wird u.a. in einem ozeanblauen Zug, in einem Keller in Hannover – Linden sowie im Pavillon Hannover.

Die nominierte Inszenierungen sind: „Home.Run – Eine grenzverletzende Familiensaga“, „Wir haben die Angst gefressen“ von Das letzte Kleinod, Geestenseth, Landerer & Company kommt mit „Gala“, Operation Wolf Haul spielt „Haus“, „Als mein Vater ein Busch wurde und ich meinen Namen verlor“ wird vom  theater fensterzurstadt/theaterwerkstatt aufgeführt und mit „Welcome to the comfort zone“ kommt xweiss aus Braunschweig.

Mit der Einladung zum Festival erhalten die nominierten Gruppen ein Preisgeld von jeweils 10.000 Euro, und eine Jury wird während des Festivals eine der eingeladenen Inszenierungen mit einem Sonderpreis von 5.000 Euro auszeichnen.

Landerer & Company kommt mit „Gala“, Foto Marc Seestaedt  

„Wir freuen uns auf ein Festival, welches die experimentierfreudige, freie Theaterszene Niedersachsens zeigt“, sagt Lavinia Francke, Generalsekretärin der Stiftung Niedersachsen.

Im Rahmenprogramm des Festivals werden Künstlergespräche, Workshops, Diskussionen und Impulsvorträge angeboten. Im Vorfeld findet bereits eine Veranstaltung zur Zukunft des Kinder- und Jugendtheaters in Kooperation mit dem Landesverband Freier Theater Niedersachsen und der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel statt.

Eine Ausstellung über den Hildesheimer Fotografen Andreas Hartmann ist über die Dauer des Festivals im Foyer des Pavillons zu sehen.

Karten: Vorverkauf 13, an der Abendkasse 16, ermäßigt 10 Euro an der Vorverkaufskasse im Kulturzentrum, bei Galeria Kaufhof am Ernst-August-Platz und bei Laporte und Salge.

http://festival-best-off.de/index.php?id=72

Hannover Woche, Sigrid Lappe / Presse Dienst Nord, Ute Micha

 


Bob Dylan: A Changin‘

Theaterabend über Bob Dylan als Premiere im Cumberland

Mit dem musikalischen Theaterabend "Dylan: A Changin‘" erweitert das Schauspiel die Liste der Neuproduktionen in dieser Spielzeit.

Am 5. Mai 2018 feiert die mit „Ein Soundtrack“ untertitelte Produktion in Cumberland Premiere. Regie führt Jonas Steglich, Ensemblemitglied am Schauspiel Hannover, es spielen und singen Carolin Haupt, Sebastian Weiss, Hagen Oechel und Valentin Schroeteler. Für die Live-Musik sorgen der Musikalische Leiter des Schauspiels, Christian Decker sowie Tim Golla (Chaostage – Der Ausverkauf geht weiter!) und Christoph Keding (Der Entertainer).

 

Bob Dylan, Foto dpa                                                                                                                Jonas Steglich, Foto Katrin Ribbe

Die Idee zu einem Theaterabend über Bob Dylan kam auf, nachdem Dylan letztes Jahr den Literaturnobelpreis zugesprochen bekam. Steglich verspricht eine „collagenartige Erzählung, einen stimmungsvollen Abend, der Musik mit verschiedenen Texten verbindet. “Ich möchte den Künstler, seine Biografie und sein Werk erlebbar machen.“


Karten 25 Euro (mit Cumberland Card 12,50 Euro) unter Tel. 0511 9999 1111, unter www.schauspielhannover.de und an den Kassen der Staatstheater.

Hannover Woche, Sigrid Lappe / Presse Dienst Nord, Ute Micha


Freistil: Die Balljugend-Clubs feiern ihre Premieren

Sieben Clubs präsentieren ihre Stücke, Performances und epischen Abende dem Publikum.

10 Balljugend-Clubs haben für ihre Stücke, Performances und epischen Abende mit Ehrgeiz, großer Freude und Spaß geprobt, und nun sind sieben von ihnen soweit, die Ergebnisse dem Publikum zu präsentieren. Für einige Teilnehmer* innen ist es das erste Mal, dass sie Etwas auf einer professionellen Theaterbühne darstellen, andere sind „Wiederholungstäter* innen“. So verschieden wie die Gruppen, ist auch das Mai-Premieren-Programm der Balljugend-Clubs.

Lukas Günther und Julia Schöneberger verpacken in ihrer Produktion „Mit falschem Bart“ (Premiere 6. Mai) die Welt in eine Dornröschenwelt. Junge Menschen mit und ohne Behinderung fragen, was sich hinter der Dornenhecke befindet und was passiert, wenn man gar nicht wach werden möchte.

Die TheaterStückPerformance „Wer hat denn hier ich gesagt“ (Premiere 12. Mai)handelt von gelungenen Kontakten und verpassten Verbindungen. Ein Abend über Blockadeleistungen und Durchlässigkeit unter der Leitung von Swantje Möller und Mareike Sedl.

Die Frage nach der eigenen Körperlichkeit stellen Sarah Becker und Vivien Raudszus in „Käpt’n K. Ein Selbstversuch“ (Premiere 19. Mai). Führt die Beschäftigung mit dem eigenen Körper automatisch zum Selbstzweifel-Alarm oder kann man aus der Erkenntnis Kapital schlagen? Anlagen gibt es schließlich zur Genüge.

 Musikalisch wird es mit „60 BPM“ (Premiere 23. Mai). Unter der Leitung von Lena Iversen und dem musikalischen Leiter des Schauspielhauses Christian Decker untersuchen die Spieler  innen den Rhythmus ihres Lebens und loten die Grenzen der Simultanität aus.

In Kooperation mit dem Sprengel Museum erarbeitete der Balljugend-Club 8 die LecturePerformance „Wenn ich du wäre, würde ich aufgeben“, „Wenn du ich wärst, wär ich hässlich“.  Hier wird geforscht nach Rollenbildern, Bildrechten und -sprachen.

Der Balljugend-Club 2 unter der Leitung von Antonia Kritzer und Nele Leitolf untersucht mit „LEER_RAUM“ (Premiere 27. Mai) die Urbanität von Visionen und ihr Scheitern am Beispiel des Ihme-Zentrums.

„Jailhouse Dance“ Premiere 29. Mai), ein Ganoventanzstück, entstanden unter der Leitung von Silke Janssen und Lea Scholtes, bringt die dunklen Machenschaften des Knastgeschäfts ans Licht.

Hannover Woche, Sigrid Lappe / Presse Dienst Nord, Ute Micha


Was ist ein Act of Goodness?

Acts of Goodness - eine theatrale Studie über ein altmodisch anmutendes Konzept.

Das Stück „Acts of Goodness“ von Mattias Andersson hat am 13. Mai im Ballhof Eins Premiere (Preview am 11. Mai). Was ist Güte? Ein Akt der Selbstlosigkeit oder doch auf Eigennutz gegründet? Gibt es das Gute? Kann man eine gute Tat von ihrer - möglicherweise egoistischen - Motivation trennen?

Acts of Goodness ist eine theatrale Studie, die über ein altmodisch anmutendes Konzept Auskunft geben soll. Dazu kommen junge Menschen aus vielen Nationen und ehrenamtlich Tätiger aus Hannover und der Region zu Wort.

Das "Ensemble" des jungen Schauspiels Hannover © Schauspiel Hannover 

Die Gründe, die sie für ihr Engagement nennen, sind so verschieden wie die Befragten selbst: Sie wollen der Gesellschaft etwas zurückgeben, weil es ihnen immer gut gegangen ist in ihr; sie leisten Sozialstunden ab und bleiben, weil das Ehrenamt ihrem Tag Struktur gibt. Einig sind sie sich in einem: „Gutes tun macht glücklich!“

Regie führt Brit Bartkowiak.

Hannover Woche, Sigrid Lappe / Presse Dienst Nord, Ute Micha


Die "Karriere" eines Hooligens

Hooligens kämpfen und verwirklichen sich auf der Bühne

Ein sperriges Gestell (Bühne: Robert Schweer) dreht sich schwerfällig, begleitet von rhythmischem Gebrüll – das läuft auf eine Prügelei hinaus. Die Hooligens von 96 um Heiko bereiten sich auf die Schlacht mit den Fans der Braunschweiger vor.  Und die Schlacht kommt!

Heiko ist Hool. Die Frage nach dem „Warum“ hat er nie gestellt. Absolut sicher ist er sich nur, dass er auf keinen Fall so leben will wie seine Familie. Sein Onkels Axel hatte ihn eingeführt in diese Art der Fußballwelt, die dem Fußball das Leben schwer macht. Schließlich ist für Heiko die Radikalität, mit der er für seinen Verein Hannover 96 kämpft, das einzige Lebenselixier. Zu dieser Familie gehört er: unter den Fahnen seines Vereins ist er Teil einer Gemeinschaft, für die er kämpfen, und an die er glauben kann. Angst vor Verletzungen hat er schon lange nicht mehr.

Einblicke in das kaputte Familienleben - wieder ein Dreh mit dem Gestell und wir hören wieder das Schlachtgebrüll.

© Katrin Ribbe

In emotionale Gefahr gerät Heiko, als die Gruppe um ihn sich aufzulösen beginnt. Denn im Gegensatz zu ihm, der an einen Ausstieg, den Übergang in ein normales Leben, keinen Gedanken verschwendet, verlassen seine Freunde nach und nach die Szene. Für sie gibt es mittlerweile Wichtigeres als den Adrenalinkick bei den Matches im Wald. Doch Heiko zieht wieder in den Kampf….

Ein phantastisches Ensemble (Nicola Fritzen, Philippe Goos, Carolin Haupt, Daniel Nerlich, Sebastian Weiss) schlüpft oder boxt sich in immer anderen Rollen nach dem Motto "Alle für Einen, Einer für Alle" durch das Stück, das ist ein fliegender Wechsel in Perfektion. 

Lars-Ole Walurg bringt den Roman von Philipp Winkler mit beeindruckender Präsenz auf die Bühne. Er zerhackt den Roman und bringt die Szenen auf das sich drehende Gestell - Heikos Leben dreht sich vor und zurück.  

Winkler, geb. 1986 in Neustadt am Rübenberge, ist Absolvent des Literaturinstituts Hildesheim. 2016 gelang ihm mit seinem Hooligan-Roman ein so vehementes Debüt, wie es das lange nicht mehr gegeben hat.

Das Buch, so die FAZ, treffe wie ein Schlag: endlich gäbe es wieder einen Roman, der von deutscher Wirklichkeit erzähle.

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe


Kriegshelden treffen bei ihren Beutezügen auf eine archaische Anderwelt

Tom Kühnel inszeniert im Schauspielhaus „Medea – nach Grillparzer und Anderen“ 

Alles gewagt und das Publikum war vom Bühnenbild von Jo Schramm hin und weg. Ein Vorhang aus Spiegeln war auf einer großen Drehscheibe befestigt und derart präsent, wie geschaffen sich darin zu erkennen und auch zu verlieren…

An diesem Ort inszeniert Tom Kühnel „Medea“, die Kindesmörderin, als gleichermaßen historischen wie zeitgenössischen Stoff, der einen Blick auf den Kreislauf von Werden und Vergehen gestattet, ja als Zerrspiegel und Abbild unserer Zeit steht.

Im Spiegel sieht man nicht nur eine Medea sondern gleich drei.  Da ist die magische Kindfrau (Vanessa Loibl), aufgehoben als Tochter des Herrschers im Kollektiv des alten Kolchis, einer archaischen Anderwelt, in der Mord zur Eroberung des Goldenen Vlieses von dem Regisseur mit chorischem Sprechen, trachtenähnlichen Kostümen (Daniela Selig) und ritualisiertem Handeln auf Distanz aber auch nahebringt.

Und da ist eine junge Frau (Carolin Haupt), die der griechische Argonaut, ein Kriegsheld, Jason (Philippe Goos) begegnet, der sie erobern möchte, aber mehr noch das Goldene Vlies.

Medea nimmt auch den Tod ihrer eigenen Kinder in Kauf. Foto Katrin Ribbe

Zum Tanz um das Goldene Vlies dreht sich immer das Spiegelkabinett - und erlaubt auch den Blick auf eine zerbrechende moderne Kleinfamilienwelt.

Da ist die Ehefrau und Mutter (Katja Gaudard), ohne Träume und erstarrt im banalen Alltag, dieselbe, die Jason als „Wilde, als Barbarin“ übers Meer folgte und deren Mitwirkung an Tod und Mord in ihrem Umfeld im Unklaren beleibt.

Als Jason nach langer Irrfahrt mit Medea nicht als Kriegsheld aufgenommen sondern ausgeschlossen wird und in Korinth Zuflucht findet, sieht er die Schuld bei Medea und beugt sich der Forderung seines Onkels Kreon, daß Medea das Land verlassen soll. Ihrer naiven jüngeren Konkurrentin, Kreons Tochter ( Vanessa Loibl) begegnet sie anfangs unbefangen.Kühnel erzählt, wie Medea zu guter Letzt, als sie allen Seins beraubt ist, bereit ist, sich zu opfern indem sie fortgehen und Jason der Nebenbuhlerin überlassen will – aber nicht ohne ihre Kinder! Und hier kommt es zu der erschütternden Szene, die auch ihren Mord an  ihren Kindern erklärt: Diese wenden sich erschrocken von ihrer Mutter ab, als diese ihre Töchter anfleht – erst schmeichelnd, dann bittend, schließlich fordernd - mit ihr zu gehen. Jetzt ist sie nicht eine eifersüchtige Frau, sondern eine Verzweifelte, die durch den Tod der Kinder den mörderischen Kreislauf von Rache und Krieg durchbrechen will.

Mit Sinn und Verstand und mit niederschmetternder Tragik geschieht das, voller Anspielungen. Hier bezieht sich Kühnel auf Grillparzers Fassung des Stoffes „Das goldene Vlies“.

Schließlich taucht auch noch die Urfassung von Medea auf, die des Griechen Euripides, und Maria Callas – nicht jene Callas, die für Pasolini „Medea“ sang und spielte, sondern die Operndiva, die dem steinreichen Reeder Onassis erlag und ihm den Zugang in die Welt der Reichen und der Schönen eröffnete, und die, als er sie verlies, den Zauber ihrer wunderschönen Stimme verlor.

Kühnels Medea  ist nicht nur ein intellektueller Hochgenuss, sondern vor allem auch ein sinnlicher– dazu trägt das grandios aufgelegte Ensemble bei-

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe


Studierende: Rein ins Theater

Schauspiel Hannover führt Theaterflatrate für Studierende ein

Das Schauspiel Hannover hat die Theaterflatrate für Studierende der hannoverschen Universitäten und Hochschulen eingeführt. Die Asten und das Schauspiel haben sich auf einen Kulturbeitrag von 0,50 Euro, der über den Semesterbeitrag abgerechnet wird, geeinigt. Schauspiel-Intendant Lars-Ole Walburg und Jürgen Braasch, Kaufmännischer Geschäftsführer der Niedersächsischen Staatstheater Hannover sowie Vertreter der Asten unterzeichneten das Vertragswerk am 16. Februar 2018.

Studierende: Rein ins Theater

„Hannover hat rund 40.000 Studierende. Wir hoffen mit diesem Pilotprojekt mehr Studierende in unser Theater zu locken und zu begeistern“, sagte Lars-Ole Walburg. Johannes Teller vom Asta der Medizinischen Hochschule Hannover ergänzte, dass es seitens der Studierendenschaft bereits „riesige Vorfreude“ gebe und man auf eine „langfristige Zusammenarbeit“ hoffe.

Studierende können sich bei der beteiligten Uni und Hochschulen telefonisch unter 0511 9999 1111 oder persönlich an den Kassen des Staatstheaters registrieren lassen und erhalten eine Kundennummer. Ab zwei Tage vor der gewünschten Vorstellung kann eine Freikarte gegen Vorlage von Semesterticket, Personalausweis und Kundennummer persönlich an der Theaterkasse abgeholt werden.

Unabhängig von der Flatrate erhalten Studierende (auch anderer Universitäten) wenn sie unter 30 Jahre alt sind weiterhin vergünstigte Theatertickets. Diese kosten an Wochentagen 8, am Wochenende (Fr + Sa) 9,90 Euro und bei Premieren 11,50 Euro (ab Preiskategorie C).


Die Flatrate gilt für die Repertoirevorstellungen (nicht Premieren) des Schauspiel Hannover, Registrierung ab sofort unter Tel. 0511 9999 1111 und an den Kassen der Staatstheater.

Hannover Woche, Sigrid Lappe / Presse Dienst Nord, Ute Micha