Ein sanfter Riese

„Ein sanfter Riese“ der Jungen Oper begeistert Kinder, Lehrer und Eltern

Keine Grund Angst vor großen Menschen: Er sieht schon ein bisschen sehr wild und mächtig aus – seine Haare sind strubbelig mit total zerfetzten Kleidern am Leib, aber mit total wachen und klugen Augen. Sein Zuhause ist die Insel im silbernen See, dort lebt der Riese ganz allein im Einklang mit der Natur. Allerdings für die Menschen im Fischerdorf, nahe seiner Insel ist der Einsiedler an allem, was geschieht schuld! Vor allem an ihren Nöten und Elend. Erzählt wird hier eine Geschichte über Ausgrenzung, Vorurteile und Toleranz. Die Junge Oper bringt ihre neue Produktion, den Einakter „Ein sanfter Riese“ von Stephen McNeff mit dem Libretto von Mike Kenny und nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Michael Morpurgo, Kindern, Lehrern, Eltern und Erziehern nahe.

In dem Stück geht es um die junge Miranda

(Tina Marie Herbert, Sopran), die sich nicht mit den recht einfachen Antworten ihres Vaters (Hyun-Joong Kim, Tenor) zufrieden. Antworten bekommt sie, als der Riese (Gihoon Kim, Bariton) sie vor dem Ertrinken rettet und auf seine Insel bringt. Einfach zauberhaft, wie sich die beiden annähern. „Du stinkst!“, singt Miranda, aber als sie sieht, wie die Schwäne ihm blind vertrauen, erkennt sie seine liebevolle Art.

Miranda macht sich auf die Suche nach dem sanften Riesen.© Thomas M. Jauk / Stage Picture

Als der Riese Miranda gesund wieder nach Hause bringt, prallt ihm eine Welle der Ablehnung entgegen. Und dann kommt ein großer Sturm, der das ganze Dorf verwüstet, und auch noch den See verschleimt. Die Dorfbewohner können nun gar nicht mehr fischen – doch der „sanfte Riese“ hat eine brillante Idee…

Feinsinnig sind Inszenierung (Markus Michael Tschubert), Kostüme(Veronika Kaleja) und Ausstattung (Magdalene Wiesauer), und wunderbar die live gespielte Musik von fünf Musikern des Niedersächsischen Staatsorchesters. Zur Premiere war auch Stephen McNeff anwesend. Alle Akteure, waren einfach klasse. Fesselnd ihre Duette, Quartette, die Arien –wobei jede Rolle auch mal die rezitative Erzählung übernimmt.

Tina Marie Herbert als Miranda ist einfach umwerfend, schön und mit viel Gefühlt singt sie ihre Arie…kein Grund zur Angst!“. Marlene Gaßner (Mezzosopran) singt und spielt den cleveren Sternstaubverkäufer, und Hyun-Joong und Yannick Spanier (Bass) beeindrucken gleichermaßen mit starken Stimmen und Schauspiel.

Die Musik mit Harfe, Querflöte, Violoncello, Trommeln, Glockenspiel und Perkussion ist sehr lebendig, modern und äußerst melodisch, dramatisch und zu jeder Zeit spannungsvoll. Nach rund 90Minuten mit einer Pause, gibt es zum Ende der Vorstellung begeisterten Applaus. Schlicht weg gesagt, ein Erlebnis für alle.

Ab sechs Jahren, zu sehen ist „Ein sanfter Riese“ wieder am 14., 15. und 20. Februar sowie an mehreren Tagen im März.

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe


Literarische Schwerpunkte beim Schauspiel

Vorverkauf für Kermani, ElKurdi, Sargnagel und Qualityland läuft

Mit literarischen Schwerpunkten geht das Schauspiel außerplanmäßig in den Vorverkauf.

Am 24. Februar ist Navid Kermani (Foto) zu Gast. 2015 erhielt der deutsche Autor den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, in einer Kooperation von Literaturhaus und Schauspiel Hannover liest er nun aus seinem neuesten Werk „Entlang den Gräben.

Es ist ein Reisetagebuch entlang den Gräben, die sich gegenwärtig in Europa neu auftun: von seiner Heimatstadt Köln nach Osten bis ins Baltikum und von dort südlich über den Kaukasus bis nach Isfahan, die Heimat seiner Eltern.

Mit der Uraufführung von „Qualityland“ am 9. März, 19.30 Uhr, im Ballhof Eins bleibt das Schauspiel auf den Spuren von Kabarettist und Autor Marc-Uwe Kling.  Nach den Känguru-Chroniken wird sich wiederum Regisseur Malte C. Lachmann diesem Werk annehmen. Inszeniert wird die Geschichte des verzweifelten Helden Peter Arbeitsloser und seinem elektronischen Helden Niemand – wie gewohnt mit kreativen (dystopischen) Alltagsbeobachtungen, absurden Dialogen und jeder Menge satirischer Spitzen.

Schon mal reinhören: "Qualityland" ist auch als Hörbuch erschienen (Euro 12.95)

 

Stefanie Sargnagel (Foto) liest am 24. April, 1930 Uhr, ebenfalls im Ballhof Eins. Berühmt wurde die österreichische Autorin mit ihren Facebook-Posts und erwuchs damit quasi zum Internet-Star des Literaturbetriebs. Beim Ingeborg-Bachmann-Preis 2016 erhielt sie den Publikumspreis. In Hannover liest aus ihrem aktuellen Buch „Statusmeldungen“. Ihr Blick auf das Leben und die Dinge ist dabei immer mürrisch und ironisch, sich selbst nicht ausgenommen, persifliert sie die Leistungsgesellschaft, die Medien und den Literaturbetrieb.


Karten für alle Veranstaltungen unter Tel. 0511 9999 1111, im Internet unter www.schauspielhannover.de und an den Kassen der Staatstheater


Die "Karriere" eines Hooligens

Hooligens kämpfen und verwirklichen sich auf der Bühne

Ein sperriges Gestell (Bühne: Robert Schweer) dreht sich schwerfällig, begleitet von rhythmischem Gebrüll – das läuft auf eine Prügelei hinaus. Die Hooligens von 96 um Heiko bereiten sich auf die Schlacht mit den Fans der Braunschweiger vor.  Und die Schlacht kommt!

Heiko ist Hool. Die Frage nach dem „Warum“ hat er nie gestellt. Absolut sicher ist er sich nur, dass er auf keinen Fall so leben will wie seine Familie. Sein Onkels Axel hatte ihn eingeführt in diese Art der Fußballwelt, die dem Fußball das Leben schwer macht. Schließlich ist für Heiko die Radikalität, mit der er für seinen Verein Hannover 96 kämpft, das einzige Lebenselixier. Zu dieser Familie gehört er: unter den Fahnen seines Vereins ist er Teil einer Gemeinschaft, für die er kämpfen, und an die er glauben kann. Angst vor Verletzungen hat er schon lange nicht mehr.

Einblicke in das kaputte Familienleben - wieder ein Dreh mit dem Gestell und wir hören wieder das Schlachtgebrüll.

© Katrin Ribbe

In emotionale Gefahr gerät Heiko, als die Gruppe um ihn sich aufzulösen beginnt. Denn im Gegensatz zu ihm, der an einen Ausstieg, den Übergang in ein normales Leben, keinen Gedanken verschwendet, verlassen seine Freunde nach und nach die Szene. Für sie gibt es mittlerweile Wichtigeres als den Adrenalinkick bei den Matches im Wald. Doch Heiko zieht wieder in den Kampf….

Ein phantastisches Ensemble (Nicola Fritzen, Philippe Goos, Carolin Haupt, Daniel Nerlich, Sebastian Weiss) schlüpft oder boxt sich in immer anderen Rollen nach dem Motto "Alle für Einen, Einer für Alle" durch das Stück, das ist ein fliegender Wechsel in Perfektion. 

Lars-Ole Walurg bringt den Roman von Philipp Winkler mit beeindruckender Präsenz auf die Bühne. Er zerhackt den Roman und bringt die Szenen auf das sich drehende Gestell - Heikos Leben dreht sich vor und zurück.  

Winkler, geb. 1986 in Neustadt am Rübenberge, ist Absolvent des Literaturinstituts Hildesheim. 2016 gelang ihm mit seinem Hooligan-Roman ein so vehementes Debüt, wie es das lange nicht mehr gegeben hat.

Das Buch, so die FAZ, treffe wie ein Schlag: endlich gäbe es wieder einen Roman, der von deutscher Wirklichkeit erzähle.

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe


Kriegshelden treffen bei ihren Beutezügen auf eine archaische Anderwelt

Tom Kühnel inszeniert im Schauspielhaus „Medea – nach Grillparzer und Anderen“ 

Alles gewagt und das Publikum war vom Bühnenbild von Jo Schramm hin und weg. Ein Vorhang aus Spiegeln war auf einer großen Drehscheibe befestigt und derart präsent, wie geschaffen sich darin zu erkennen und auch zu verlieren…

An diesem Ort inszeniert Tom Kühnel „Medea“, die Kindesmörderin, als gleichermaßen historischen wie zeitgenössischen Stoff, der einen Blick auf den Kreislauf von Werden und Vergehen gestattet, ja als Zerrspiegel und Abbild unserer Zeit steht.

Im Spiegel sieht man nicht nur eine Medea sondern gleich drei.  Da ist die magische Kindfrau (Vanessa Loibl), aufgehoben als Tochter des Herrschers im Kollektiv des alten Kolchis, einer archaischen Anderwelt, in der Mord zur Eroberung des Goldenen Vlieses von dem Regisseur mit chorischem Sprechen, trachtenähnlichen Kostümen (Daniela Selig) und ritualisiertem Handeln auf Distanz aber auch nahebringt.

Und da ist eine junge Frau (Carolin Haupt), die der griechische Argonaut, ein Kriegsheld, Jason (Philippe Goos) begegnet, der sie erobern möchte, aber mehr noch das Goldene Vlies.

Medea nimmt auch den Tod ihrer eigenen Kinder in Kauf. Foto Katrin Ribbe

Zum Tanz um das Goldene Vlies dreht sich immer das Spiegelkabinett - und erlaubt auch den Blick auf eine zerbrechende moderne Kleinfamilienwelt.

Da ist die Ehefrau und Mutter (Katja Gaudard), ohne Träume und erstarrt im banalen Alltag, dieselbe, die Jason als „Wilde, als Barbarin“ übers Meer folgte und deren Mitwirkung an Tod und Mord in ihrem Umfeld im Unklaren beleibt.

Als Jason nach langer Irrfahrt mit Medea nicht als Kriegsheld aufgenommen sondern ausgeschlossen wird und in Korinth Zuflucht findet, sieht er die Schuld bei Medea und beugt sich der Forderung seines Onkels Kreon, daß Medea das Land verlassen soll. Ihrer naiven jüngeren Konkurrentin, Kreons Tochter ( Vanessa Loibl) begegnet sie anfangs unbefangen.Kühnel erzählt, wie Medea zu guter Letzt, als sie allen Seins beraubt ist, bereit ist, sich zu opfern indem sie fortgehen und Jason der Nebenbuhlerin überlassen will – aber nicht ohne ihre Kinder! Und hier kommt es zu der erschütternden Szene, die auch ihren Mord an  ihren Kindern erklärt: Diese wenden sich erschrocken von ihrer Mutter ab, als diese ihre Töchter anfleht – erst schmeichelnd, dann bittend, schließlich fordernd - mit ihr zu gehen. Jetzt ist sie nicht eine eifersüchtige Frau, sondern eine Verzweifelte, die durch den Tod der Kinder den mörderischen Kreislauf von Rache und Krieg durchbrechen will.

Mit Sinn und Verstand und mit niederschmetternder Tragik geschieht das, voller Anspielungen. Hier bezieht sich Kühnel auf Grillparzers Fassung des Stoffes „Das goldene Vlies“.

Schließlich taucht auch noch die Urfassung von Medea auf, die des Griechen Euripides, und Maria Callas – nicht jene Callas, die für Pasolini „Medea“ sang und spielte, sondern die Operndiva, die dem steinreichen Reeder Onassis erlag und ihm den Zugang in die Welt der Reichen und der Schönen eröffnete, und die, als er sie verlies, den Zauber ihrer wunderschönen Stimme verlor.

Kühnels Medea  ist nicht nur ein intellektueller Hochgenuss, sondern vor allem auch ein sinnlicher– dazu trägt das grandios aufgelegte Ensemble bei-

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe


Studierende: Rein ins Theater

Schauspiel Hannover führt Theaterflatrate für Studierende ein

Zum 1. März 2018 führt das Schauspiel Hannover die Theaterflatrate für Studierende der hannoverschen Universitäten und Hochschulen ein. Die Allgemeine Studierendenausschüsse und die Schauspielleitung haben sich auf einen Kulturbeitrag von 0,50 Euro, der über den Semesterbeitrag abgerechnet wird geeinigt. Schauspiel-Intendant Lars-Ole Walburg und Jürgen Braasch, Kaufmännischer Geschäftsführer der Niedersächsischen Staatstheater Hannover sowie Vertreter der Asten unterzeichneten das Vertragswerk am 16. Februar 2018.

„Hannover hat rund 40.000 Studierende. Wir hoffen mit diesem Pilotprojekt mehr Studierende in unser Theater zu locken und zu begeistern“, sagte Lars-Ole Walburg. Johannes Teller vom Asta der Medizinischen Hochschule Hannover ergänzte, dass es seitens der Studierendenschaft bereits „riesige Vorfreude“ gebe und man auf eine „langfristige Zusammenarbeit“ hoffe.

Ab sofort können sich Studierende der beteiligten Uni und Hochschulen telefonisch unter 0511 9999 1111 oder persönlich an den Kassen des Staatstheaters registrieren lassen und erhalten eine Kundennummer. Ab zwei Tage vor der gewünschten Vorstellung kann eine Freikarte gegen Vorlage von Semesterticket, Personalausweis und Kundennummer persönlich an der Theaterkasse abgeholt werden.

Unabhängig von der Flatrate erhalten Studierende (auch anderer Universitäten) wenn sie unter 30 Jahre alt sind weiterhin vergünstigte Theatertickets. Diese kosten an Wochentagen 8, am Wochenende (Fr + Sa) 9,90 Euro und bei Premieren 11,50 Euro (ab Preiskategorie C).


Ab 1. März 2018, gültig für die Repertoirevorstellungen (nicht Premieren) des Schauspiel Hannover, Registrierung ab sofort unter Tel. 0511 9999 1111 und an den Kassen der Staatstheater.

Hannover Woche, Sigrid Lappe / Presse Dienst Nord, Ute Micha


Indiens langer, erfolgreicher Weg

„Indien“ begeisterte noch mal im Schauspielhaus

Es ist gut, daß das Erfolgsstück "Indien" den Weg vom Hof des Schauspielhauses und einem Ausflug in das Brauhaus Ernst August noch einmal am 19. Februar in das Schauspielhaus zurück gekehrt war. 

Da gibt es dann Bierchen und mehr oder weniger leckere Schnitzel weil das Stück „Indien“ von den österreichischen Autoren Josef Hader und Alfred Dorfer von Lars-Ole Walburg, Intendanten des Schauspiels, ins Brandenburgische verlegt wurde.

Zur Story: Die recht unterschiedlichen Gastronomie-Inspektoren Heinz Bösel und Kurt Fellner, für die das Leben eine Dienstreise ist, inspizieren im Auftrag der Landesregierung Lokale im Brandenburgischen.
“Die Wirte sind alle Idioten” findet Heinz Bösel (Janko Kahle lks.), und da können Kurt Fellner (Günther Harder r.) nur lachen wobei der Wirt Frank Wiegard gute Miene zum bösen Spiel macht. © Karl-Bernd Karwasz

 Eigentlich können sich die beiden “nicht auf’s Fell gucken”, aber die Handlung führt sie Schritt für Schritt auf skurrilen Wegen zusammen, das verdeutlicht dann die tragische Schlussszene. Die Darsteller der Gastrokritiker sind Günther Harder und Janko Kahle, der „Mann für Alles”, Frank Wiegard, schlüpft in die Rollen der unterschiedlichen Wirte und zum Schluß gibt er noch den Arzt ab. Genial!

Josef Hader (*1962) und Alfred Dorfer (* 1961) gehören zu den bekanntesten Kabarettisten Österreichs. Ihr 1991 geschriebenes Stück „Indien“ wurde 1993 in der Regie von Paul Harather verfilmt. Hader und Dorfer genießen seither Kultstatus. 

Es gab viel Beifall für die witzige Inszenierung und die hervorragenden Akteure. 

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe