musiktage niedersachsen

Helles Entzücken und eine finale Klangreise zum Ende der Musiktage

Charly Hübner beendet im NDR-Sendesaal die Musiktage

Das Konzept der diesjährigen Musiktage war schon recht eigenwillig - aber einfach auch toll! Schauspieler Charly Hübner kombinierte für sein hervorragendes Programm "Mercy Seat" - Winterreise" Teile aus dem bekannten Liederzyklus von Franz Schubert mit Nick-Cave-Songs. Und das Konzept ging auf: Das Publikum war hin und her gerissen im Großen Sendesaal des NDR.

Charly Hübner begann mit Nick Caves "Mercy Seat" - gemeint ist der elektrische Stuhl. Und ihm gelangen vor allem Caves Nummern einfach fantastisch. Kaum jemand wußte, wie wandelbar der Tatort-Kommissar sich als Sänger präsentieren konnte, das ging unter die Haut!

Komponist Tobias Schwenke hat die Stücke in einem  Arrangement hingelegt und dabei den Streichern des Ensembles Alles abverlangt. Und die zeigen sich allen Herausforderungen gewachsen. Die Band mit Gitarrist Kalle Kalima – bedacht mit großem Sonderapplaus - Bassist Carlos Bica und Schlagzeuger Max Andrzejewski waren einfach spitze!

Die 45 Veranstaltungen der Niedersächsischen Musiktage 2018 endeten mit einer beachtlichen Platzauslastung von 87 Prozent. In diesem Jahr lautete das Motto "Beziehungen" im nächsten Jahr wird es "Mut" heissen - der neue Intendant Anselm Cybrinski kündigte in seinem Grußwort "riskante Drahtseilakte" an.

Bitte, wenn möglich, ja!

Dr. Sabine Schormann, Stiftungsdirektorin der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, betonte zum Abschluss des Festivals: „Die 32. Niedersächsischen Musiktage – das waren in diesem Jahr 45 Veranstaltungen an spannenden 45 Veranstaltungsorten in Niedersachsen. Ein Blick auf die Rückmeldekarten, die wir von unseren Besuchern bekommen haben, zeigt, daß eine Beziehung besonders gestärkt aus dem Festival hervorgegangen ist: die Beziehung zum Publikum.“
In den vier Festival-Wochen konnten die 32. Niedersächsischen Musiktage mit abwechslungsreichen Veranstaltungen rund um das Thema „Beziehungen“ überraschen. Unter anderem waren renommierte Solisten wie Thomas Quasthoff, Igor Levit, Emmanuel Tjeknavorian, Dorothee Oberlinger, Ensembles wie die NDR Radiophilharmonie, die NDR Bigband, das Ensemble Resonanz, das SIGNUM saxophone quartet und Chöre wie der NDR Chor, der Mädchenchor Hannover, der Knabenchor Hannover, die King’s Singers sowie viele weitere Künstler*innen auf dem landesweiten Festival zu erleben.
Zum Erfolg der Niedersächsischen Musiktage trugen neben der hochkarätigen künstlerischen Besetzung insbesondere die außergewöhnlichen Konzertformate bei. Im Park von Schloss Gifhorn wurden die Besucher dazu eingeladen, mit Musikern und Artisten auf mehreren Bühnen das Thema „Beziehungen“ zu
erkunden, junge Gesangstalente präsentierten nach einem Workshop mit dem französischen Bariton François Le Roux ein exquisites Programm zu Live-Painting und in drei musikalisch-literarischen Programmen kooperierten
die Niedersächsischen Musiktage mit dem Literaturfest Niedersachsen.

Auch das ganz junge Publikum ab sechs Jahren sowie Jugendliche hatten ihre besonderen Konzertformate: vivam steht seit Jahren für die erfolgreiche, festivaleigene Musikvermittlung.
Gestartet wurde das Eröffnungswochenende mit der besonderen Beziehung zwischen Film und Musik: Das Eröffnungskonzert "La Dolce Vita - Fellinis Universum" ist dem berühmten Regisseur und Nino Rota, der wunderbare Musik zu Fellinis Filmen geschrieben hat, gewidmet. Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz spielte in Wolfsburg diese berühmte Filmmusik.

Die 33. Niedersächsischen Musiktage finden vom 31. August bis 29. September 2019
statt.

Presse Dienst Nord, Ute Micha / Hannover Woche, Sigrid Lappe


Musiktage und Literaturfest im Einklang in der Orangerie

"Beziehungslos: Bartleby" vereint beide Veranstaltungen

Und das mit Gebläse: Ein Bläserquintett spielte für "Bartleby" auf und der Mädchenchor Hannover sang das literarische Motto hinter einem Vorhang. "Beziehungen", dieses Motto bedienen 2018 die Niedersächsischen Musiktage und das Literaturfest Niedersachsen. Die Uraufführung "Bartleby" in der Orangerie tauchte dann auch in beiden Programmen auf, von daher war auch alles schlüssig, daß Konzert und Lesung sich hier treffen. Das Projekt hieß offiziell auch "Narratorium".
Komponist Johannes X. Schachtner und das Regie-Duo Volker Bürger und Stefan Wiefel haben sich einen skurrilen Charakter vorgenommen, und das spielt 1853. Zu einer Zeit, als es moderne Literatur noch nicht gab, schuf "Moby-Dick"-Autor Herman Melville mit „Bartleby“ den Inbegriff eines beziehungslosen Menschen. In der Erzählung wird beschrieben, wie sich ein kleiner Kanzleischreiber immer mehr verweigert. Zuerst lehnt er Sonderaufgaben ab, und schließlich alle Tätigkeiten und - ganz und gar von der Rolle- bleibt nur die Existenz als solche. Bartleby bleibt stets höflich und sein "I would prefer not to do" ist zum geflüsterten Satz geworden.
Markus John übernahm mit Bravour den erzählerischen Part in der Rolle als Rechtsanwalt an der Wall Street, der den Schreiber Bartleby eingestellt hatte. Er schildert, wie ihn das Verhalten des Verweigerers vom Unmut und Unverständnis bis hin zur Resignation begleitet und schließlich auch berührt. John spielt zur Zeit auch in "Trutz" beim hannoverschen Schauspiel.
Bisher wurde noch keine akzeptable Deutsche Übersetzung gefunden und auch das "Narratorium" bedient sich der Formulierung "Ich möchte lieber nicht".
Für den Mädchenchor Hannover wurden diese Worte zum Leitmotiv, die auch Bartlebys Wesen umkreisten..
Instrumental rundete das gut aufgelegte Ensemble die Schwerpunkte des Geschehens ab -das Bläserquintett war einfach große Klasse und Posaunist Mikael Rudolfsson bekam dann auch für sein Solo, bei dem er variantenreich einen Grundton umspielte, Szenenapplaus. Hannover kennt sich punkto Musik aus!

Ute Micha, Presse Dienst Nord / Sigrid Lappe, Hannover Woche